Honiggeschichten Ausstellung



Das Buch „Honiggeschichten“ begann ich anfang des Jahres 2004 zu schreiben und den größten Teil davon habe ich in diesem Jahr zuwege gebracht. Ich hatte noch nie so etwas gemacht, ein Buch schreiben, und ich brauchte wie ein Schwungrad einen Anlass. Das war der Tod von Franz Wagner. Das hört sich sehr dramatisch und traurig an, als wäre all die Zeit nur vom Sterben gesprochen worden. In diesem Fall ging es aber um das gemeinsam Erlebte. Franz hat mir das Imkern beigebracht und natürlich ist von ihm in den „Honiggeschichten“ ausführlich die Rede. Während des Schreibens dachte ich an all die strengen Sätze, die Franz mir über die Bienen gesagt hatte. Oft waren es im Geist rot gedruckte Lehrsätze, vor denen ein „Merke:“ hätte stehen können. Die zahlreichen Erfahrungen, die ich mit Franz und den Bienen gemacht hatte, sollten nicht verloren gehen, und ein noch einfacherer Grund war, dass ich die Stimme von Franz in Erinnerung behalten wollte. Mir war klar, dass ich eines Tages vieles vergessen würde.
Franz war jemand, der immer dieselben Sätze sagte und sie jedesmal ausführlich wiederholte. Einer seiner Lieblingskommentare, beispielsweise zu politischen Angelegenheiten, aber auch zu neueren imkerlichen Entdeckungen, die dann doch nichts taugten, war: „Schmarrn das Ganze.“ Am Schluss, das heißt, nachdem das Buch geschrieben war, stellte sich heraus, dass die Stimme jetzt sozusagen in dem Buch abgetaucht war, aber dass ich sie nicht mehr hörte. Schade, dachte ich. Wenn das so ist, dachte ich, schreibe ich lieber kein Buch mehr.



Später im Jahr 2004 wurde ich zu einer Ausstellung im Berufsverband Bildender Künstler eingeladen. DasThema der Ausstellung hieß „Augenblick, Ewigkeit und Verfallsdatum“. Dazu fiel mir natürlich sofort Honig ein. Was die Vergänglichkeit betrifft, fiel er mir im umgekehrten Sinn ein. Honig, wenn er richtig gelagert ist, wird nicht schlecht. In 15tausend Jahren wird er nicht schlecht. Für diese Ausstellung schrieb ich die Jahreszeitenkapitel. Ähnlich wie Franz hatte ich jahrelang das tägliche Wetter beobachtet und ich hatte mir kleine Notizen dazu gemacht. Verbunden mit allgemeinen Meldungen über Erntemengen und Geschmacksrichtungen und Beschaffenheiten des Honigs hängte ich sie auf Blättern neben die Honiggläser aus den vergangenen Jahren. Wie die Installation aussah erkennt man auf dem Schutzumschlag des Buches. Die anderen Kapitel hatte ich entweder fertig, oder, was häufiger vorkam, ich schrieb noch welche dazu, um die Sache abzurunden.



Das Buch gewann im Jahr 2004 seine erste Form. Es war die, mit der ich zu einer Unmenge von Verlagen pilgerte. Allerdings wollte keiner das Buch haben. Der Vorteil, wenn man einen Verlag hat, ist, dass andere sich um die Vermarktung kümmern. Der Vorteil, wenn man selber das Buch druckt, ist, dass man Lesungen und ähnliche Inszenierungen ohne Hindernisse aus dem Ärmel schüttelt. Der Nachteil ist, dass man all die Bücher langfristig lagern muss und sie auch noch selber bezahlt. Dass sie in einem Keller vergammeln und keiner sie liest, kann einem Verlag aber auch passieren.
2005 arbeitete ich alles nochmal durch, schrieb einiges um und ließ es drucken. 2004 ist trotzdem als Entstehungsjahr angegeben. So wie der Honig wird auch das Thema nicht schlecht.