Die Zahnfee






Martin Lindauer war ein bedeutender Bienenforscher

Jemand, der mir ein Kompliment machen wollte, sagte, ich sei sozusagen Materialist in einem frühen Bedeutungssinn. Ich forsche nach allem, was sich aus dem Boden herausholen lässt.
Tatsächlich halte ich mich ans sinnlich Erlebbare.
Früher, auf Spaziergängen, formte ich aus feuchter Erde, die ich aus Pfützen geholt hatte, kleine Statuen, setzte sie auf Bänke und überließ sie dem nächsten Regen.





Als mir "Bienen sind die Popstars der Zukunft" in den Sinn kam, vor etwa drei Jahren, dachte ich mir nichts. Später meinte ich, dieser Satz könne sich in Zukunft verwenden lassen. Er verblieb in der Warteschleife in meinem Hinterkopf und kreiste dort.
Ich hatte seit sicher zehn Jahren vor, einen Schmoker vor einer weißen Wand zu filmen. Er sollte der Hauptdarsteller sein. Als ich schließlich dazu kam, hängte ich hinter den rauchenden Schmoker den Text. (Weiter sammelte ich denselben Satz in verschiedenen Sprachen, in japanisch, türkisch, rumänisch, italienisch, englisch und so fort. Daraus sollte ein eigenes Projekt werden.)



Auf der Oberseite des Objektes steht: "So hat jede Kultur ihre Wasserträger." Diesen Satz äußerte Manfred Ellenrieder eines Tages während unserer Akademiezeit. Zweieinhalb Jahrzehnte später kaufte er das kleine Flugzeugmodell.


Nachdem das Foto und ein kurzes Video daraus geworden waren, formten sich daraus eine Ausstellung und ein popkultureller Fernsehbeitrag im ZDF. Während das Fernsehen bei mir am Bienenstand drehte, wurden mir aus dem Off Fragen gestellt, die mich zu spontanen Aussagen verleiten sollten. Vielleicht ist es gut, wenn man die Fragen nicht vorher kennt, denn man legt sich sonst etwas zurecht, das zu kompliziert ist. Vielleicht ist es andererseits nicht gut, da man unvermutet den größten Blödsinn schwafelt.







Vor der Kamera machte mich für den Ansatz stark, dass vor allem für die Bienenforschung mehr Geld zur Verfügung gestellt werden müsste. Es wird häufig betont, dass die Biene das drittwichtigste Nutztier der Erde ist. Insofern muss die Forschung in die Lage gebracht werden, alle Energie darauf zu verwenden, ein haltbares Mittel gegen die Varroamilbe zu finden. Aus dem riesigen Staatshaushalt müsste mehr für diesen Belang abgezweigt werden. Mein Anliegen geht exakt auf die Bekämpfung der Milbe, denn ich sehe in ihr den Bienenschädling Nummer eins. Von dieser Seuche ist heutzutage jedes Bienenvolk infiziert. Und man muss sich dringend daran setzen und Abhilfe finden.




Eine "Bienenlupe" aus Aluminium, Propolistinktur und ein kleiner Wachskegel

Im Grunde habe ich gar nicht mehr zu sagen. Ob ich das jedoch wirklich so knapp ausdrückte und ob es im Fernsehen wirklich zu verstehen war, weiß ich nicht mehr. Ich habe den Verdacht, dass ich sehr weitschweifig argumentierte. Vermutlich verglich ich diese Geldmittel mit jenen, die für andere Arten von Popstar-Belangen zur Verfügung stehen. Denn ständig wird ja mit dem Auffinden von tatsächlichen oder vermeintlichen Superstars ein ungeheuerer Aufwand betrieben. Doch der Vergleich bedingt, dass große Teile meiner Aussage heraus geschnitten werden mussten. Und vielleicht waren das gerade die falschen.
Natürlich verschickte ich nun den link zu der Fernsehsendung. Jedoch darf man sich diesbezüglich nichts vormachen. Der Beitrag hatte natürlich keinen Makel. Er war perfekt in der Reihung von einprägsamen Bildern, unterschiedlichen Blickwinkeln, in Unschärfe, die langsam ins Scharfe gezoomt wurde, in schnellem Vorlauf und einer perfekten Taktung. Aber die makellose Oberfläche, kann man umgekehrt folgern, ist der Makel. Der Clip reihte sich mühelos in die unermessliche Flut, die täglich auf jeden einstürzt, wenn er sein Gerät anschaltet. Kann daher eine ernst gemeinte Anschauung durch die allgemeine Gleichheit dringen?