Kommunikationsuniversum

Ich möchte an dieser Stelle besonders auf einen Sachverhalt aufmerksam machen. Der ist mir aufgefallen, als ich mich mit wissenschaftlichen Entdeckungen zur Bienenkunde beschäftigt habe. Die Wissenschaft bearbeitet Segmente. Sie schaut selten aufs Ganze. Zumindest bei den Bienen wäre das auch sehr schwierig. Innerhalb dieser Abschnitte, die man sich dort vornimmt und sozusagen unters Mikroskop legt, ergeben sich ständig erhellende Einsichten. Etwas, das man vorher nicht wusste, wird offenbar. Manchmal, wenn ich in der entsprechenden Literatur lese, finde ich natürlich interessant, wie die Fragestellungen aussahen. Denn Ergebnisse erhält man immer je nach den Fragen.

Wie Sie in meinem Katalog mitunter sehen, sind die naturwissenschaftlichen Darstellungsweisen für mich als Künstler interessanter als die Forschungsergebnisse. Das hat selbstverständlich damit zu tun, dass fast jede Art von Darstellung ins Bildnerische hinein reicht. Dort sind aber wir zuhause. Beispielsweise werden Sachverhalte aufgedeckt und ich denke: Es ist schön, wie sie dargestellt sind, ich nenne hier die komplexen grafischen Darstellungen der Enzyme, die an sich derartigen Bildcharakter haben, dass ich sie nur noch aus dem Zusammenhang lösen musste, um sie in Form von Nitrofrottagen als vielfarbige Bilder aufs Papier zu drucken. In der wissenschaftlichen Aufschlüsselung selbst fehlt mir etwas. Das mag damit zu tun haben, dass ich kein Wissenschaftler bin. Aber viel mehr hat es, wie ich denke, damit zu tun, dass es nur einzelne Bereiche sind, die bearbeitet wurden, und darüber hinaus, dass es – ich gebrauche den Begriff mit aller Vorsicht – in spiritueller Hinsicht keine Rolle spielt, ob ein Bereich wissenschaftlich aufgeschlossen ist oder nicht.
An dieser Stelle, zur Verdeutlichung, möchte ich Ihnen von einer kleinen Diskussionsrunde erzählen. Das Ganze ist ungefähr 15 Jahre her. Wir saßen etwa zu fünft in einem Raum. Einer hielt sich, soweit ich mich erinnern kann, ganz heraus. Einer experimentierte mit Genmanipulation und hielt das Zusammenbringen einer männlichen und einer weiblichen Zelle für einen Schöpfungsakt. Seine Frau unterstützte ihn. Ein Freund und ich sprachen gegen diese Sicht. Wir sagten: Du kannst die Voraussetzungen schaffen, aber das, was man früher oder anderswo als göttlichen Funken oder als den Lebenshauch bezeichnet hat und wofür ich kein Wort habe, kann der Mensch nicht leisten. Ich möchte an dieser Stelle am liebsten abbrechen, da ich mich sprachlich auf Glatteis begebe. Für religiöse Menschen ist der letzte Rest hier sehr einfach bestimmbar. Für mich, der ich keiner Glaubensgemeinschaft angehöre, ist es kompliziert. Ich möchte behelfsmäßig vom letzten Zentimeter sprechen, der bis zum vollen Meter fehlt. Es ist genau der Ort, wohin Wissenschaft nicht gelangen kann. Nie.
Von diesem Verzweigungspunkt an kann es in verschiedene Richtungen weitergehen. Man könnte eine religiöse Debatte anstrengen. Man könnte verschiedenste ethische Fragen aufwerfen. Aber das alles möchte ich sein lassen. Anstatt dessen will ich so etwas wie eine wacklige Behauptung aufstellen. Ihr kann widersprochen werden. Auf jeden Fall müsste sie von jedem Zuhörer geprüft werden. Ich will damit beginnen, dass ich meinen Respekt vor sinnlicher Wahrnehmung bekunde. Damit meine ich nicht nur unsere Sinnlichkeit, sondern auch die der Tiere oder Pflanzen. Hunde beispielsweise wittern feinste Gerüche und können mittlerweile darauf trainiert werden, elektronische Speichermedien zu erschnüffeln. Auf diese Weise konnte bei jenem riesigen Missbrauchsskandal Lügde, in der Wohnwagensiedlung, ein USB-Stick gefunden werden, der vom Täter in eine Sofaritze gesteckt worden war. Darauf hat man dann zahllose kinderpornographische Fotos gefunden. Ich weiß nicht, wie stark man den Täter bereits belastet hatte, aber ich stelle mir vor, dass der USB-Stick eine wichtige Rolle gespielt hat, da der Täter so „bescheuert“ war, haufenweise Bilder, die er aus dem Darknet geladen hatte, darauf zu speichern. Nun zurück. Bienen, bei denen ebenfalls der Geruchsinn extrem ausgeprägt ist, riechen, wie ich einmal las, räumlich. Unsere Nasen sind übrigens so geformt, dass sich die Luftströme darin verwirbeln. Dadurch werden wir nie in der Lage sein, so exakt Düfte zu lokalisieren und von anderen, ebenfalls vorhandenen, zu trennen.
Bereits in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der größte Teil der Bienenanatomie erschöpfend bearbeitet. Das alles steht in einem Buch aus einer Buchreihe, die ein Erlanger Bienenforscher heraus gegeben hat. Dabei entdeckte man beispielsweise das Magnetfeldorgan, das bei den Bienen in der schmalen Brücke zwischen dem mittleren und dem hinteren Leib sitzt. Mir wurde mitgeteilt, dass wir über kein Organ verfügen, mit dessen Hilfe sich das Magnetfeld bestimmen lässt. Zunächst will ich allerdings spekulieren und sagen, dass ich das nicht glaube. Ich vermute eher: Man hat es bislang nicht gefunden. Nichtsdestoweniger ist es eine Tatsache, dass alle Informationspartikel, die wir von dort empfangen, so gering dosiert sind, dass sie sofort von anderen Meldungen überlagert werden. Ich möchte nicht darauf herumreiten. Wir fühlen das Magnetfeld nicht und damit basta. Dafür haben wir uns den Kompass als Hilfsmittel erfunden, quasi als Verlängerung oder Verstärkung eines mangelnden oder zu schwachen Sinnesorganes. Mit ihm, auch wenn er mittlerweile als App verfügbar ist, können wir uns durchaus als nautische Helden fühlen. Da das Magnetfeld von uns nicht wahrnehmbar ist, gleich ob wir über das entsprechende Organ verfügen, bräuchten wir uns auch bei Überlandleitungen keine Sorgen machen. Ist doch gut.
Nun unabhängig von den Sinnesorganen und den damit verlinkten Empfindungen, habe ich festgestellt, dass wissenschaftliche Entdeckungen, in diesem Fall bei den Bienen, nichts an deren Rätselhaftigkeit ändern. Das betrifft das Gesamte als auch die Aufspaltung in Einzelbereiche. Aber diese Tätigkeit der Wissenschaft ändert für uns Künstler gar nichts. Denn die Rätselhaftigkeit wird nicht beeinflusst, indem jemand heran tritt und uns erklärt, wie es sich verhält. Selbst einfachste Sachverhalte bleiben gleich geheimnisvoll. Diese Behauptung bitte ich Sie anhand Ihrer eigenen Empfindungen nachzuprüfen. Nehmen wir Pferde. Ein Röntgenbild des Knies gibt uns Auskunft, ob eine Knochenabsplitterung aufgetreten ist. Das kommt relativ häufig vor, wenn die Pferde dazu gezwungen werden, über Hindernisse zu springen, wie es bei Turnieren der Fall ist. Diese Absplitterungen nennt man jeweils Chip, sie wandern und verursachen dem Pferd beim Gehen, Traben, Galopp und natürlich erst recht beim Springen erhebliche Schmerzen. Pferde können aber Schmerz nicht äußern, sie können nicht weinen. Pferde sind Fluchttiere. Ließe man sie, würden sie davon rennen. Wir haben aber nur das Röntgenbild in der Hand und können Schlüsse ziehen – was oft genug nicht geschieht. Ob Bienen Schmerz empfinden, ist zweifelhaft. Ich vermute, dass es nicht der Fall ist. Allerdings gibt es bei den Bienen die Möglichkeit, dass ein Volk plötzlich als Ganzes reagiert. Nehmen wir an, dass giftige Gase in den Stock hinein gelangen. Ich hatte das einmal am Stand. Im Winter hat jemand einen Benzinkanister unter die Paletten gesteckt, auf denen sie stehen, und im Frühjahr war keine einzige Biene mehr da. Es waren keine gestorben, sondern sie waren einfach ausgezogen. Natürlich hätten sie wissen können, dass sie draußen keine Chance haben, zu überleben. Aber die Bedingungen waren für sie unannehmbar. Also sind sie verschwunden.
Es könnte, um auf die Sinnesempfindungen zurück zu kommen, womöglich so sein, dass der Magnetsinn von unseren Hauptsinnen Hören und Sehen überstrahlt wird und wir bestenfalls aufgeschlossen sind, wenn Riechen, Schmecken, Berühren, Zeitsinn, Gedächtnis, Wärme-Kälte, Schwere, Gleichgewicht und so weiter von uns geringer bewertete Informationen liefern. Daher können wir die besonders feinen Informationsströme nicht verarbeiten. Die Bienen jedenfalls orientieren sich nicht nur am polarisierten Sonnenlicht, sondern auch am Magnetfeld der Erde. Gerade wenn sie sich in dunklen, von der Sonne abgeschiedenen Bereichen zurecht finden, vor allem natürlich im dunklen Stock, ist das wichtig. Aber auch draußen orientieren sie sich vielfältig, beispielsweise auch an Landschaftsmarken, sie merken sich die Silhouette eines Waldes. Sie verfügen also nicht nur über einen Zeitsinn, mit dessen Hilfe sie berechnen, wie weit die Sonne gewandert ist, während sie sich im Stock aufgehalten haben. Sie merken sich auch Sachverhalte, sie haben ein Mittelzeitgedächtnis. Nach etwa einer Woche haben sie zwar das Meiste vergessen. Vieles, das innerhalb dieses Zeitraumes liegt, bleibt jedoch in ihnen gespeichert. Ich hielt lange eine Katze, die mich auf verschiedenen Umzügen begleitete. Diese Katze schlief nicht bei mir im Bett. Die Katze meiner Tochter tut das aber. Wir nehmen ein Tier oder eine Pflanze oder einen anderen Menschen bis zu einem gewissen Grad bewundernd auf. Wir lieben den anderen und das macht die Wertschätzung von Schwächen überhaupt erst möglich. Wenn ich die Bienenstöcke öffne, spüre ich ebenfalls eine tiefe Zuneigung. Allerdings fühle ich bei den Bienen, und das werden sie unmittelbar nachvollziehen können, auch Distanz. Bienen sind keine Kuscheltiere. Wahrscheinlich, aber ich kenne mich nicht so gut aus, gibt es immer wieder Menschen, die behaupten oder behauptet haben, Bienen als Gesamtheit verstehen zu können. (Vielleicht auch solche, die angeblich höhere Geisteskräfte dafür aktivieren. Das möchte ich allerdings in mehrfacher Hinsicht als Unsinn abtun.) In meiner Laufbahn als Imker/Künstler oder Künstler/Imker haben sich die vergangenen 29 Jahre jeweils nach demselben Schema vollzogen. Ich nehme die Bienen wahr, aber ich werde so gut wie jedesmal darauf gestoßen, wie wenig ich weiß.
Ein bedeutender gegenwärtiger Bienenforscher hat die Ergebnisse von Karl von Frisch erweitert. Es geht dabei um die Übermittlung von Information mithilfe der Tanzsprache, für deren Erforschung von Frisch seinerzeit den Nobelpreis bekommen hat. Was außerhalb des Stockes liegt, hat Karl von Frisch jedoch bewusst ausgelassen. Im übrigen haben sich die Forschungsmethoden verändert. Man hat beispielsweise Videoaufzeichnungen aus dem Stock, die man auswerten kann. Daher war lange nicht klar, dass die neuen Sammlerinnen durch die Tänze nicht in eine exakte, sondern in eine grobe Richtung geschickt werden und dass ihnen eine nur etwaige Entfernung vorgetanzt wurde. Außerdem erhalten die Bienen im Stock jeweils dieselbe Information auf vier unterschiedlichen Kanälen. Diese Redundanz spricht – wie ich meine – für deren Wichtigkeit. Die Vortänzerinnen zupfen beispielsweise am Tanzboden, dem Wachsfeld, auf dem sie stehen, und bringen es zum vibrieren als übermittelten sie einen Morsecode. Die neuen Entdeckungen zeigen nun, dass unerfahrene Bienen von erfahrenen Sammlerinnen in einen Bereich geschickt werden, der vor den Nektarquellen liegt. Sobald die informierten Bienen den Bestimmungsort erreichen, suchen sie dort und werden dann hauptsächlich durch Düfte zu den Futterplätzen gelockt. Zwischen dem Schicken und dem Locken liegt ein eigener, von dem Bienenforscher Tautz neu eingeführter Raum, der mich als Künstler natürlich bevorzugt interessiert. Es ist der Suchraum und gerade dort kann man mit wissenschaftlichen Methoden noch nicht hinein schauen. Mein Enthusiasmus hat nichts mit Häme zu tun, sondern mit künstlerischer Begeisterung. Denn, wie immer das Suchen aussehen mag, es ist für mich als Künstler bis auf Weiteres geprägt von Unbestimmtheit. Und das ist einer der großen Begriffe in der Kunst. Ich möchte hier auf John Cage verweisen, in seiner Arbeit spielt er eine zentrale Rolle. Seine neuen Forschungsergebnisse stellte Herr Tautz im Jahr 2021 in Buchform vor. Es ist etwas hoch gegriffen betitelt: Die Sprache der Bienen. Und er begibt sich damit in eine tabuisierte Zone. Denn alle, die sich darauf verlassen, dass ein Nobelpreis die maximale Auszeichnung ist und nur verliehen wird, wenn ein Thema erschöpfend behandelt wurde, haben hier ein Denkverbot installiert. Das hat mich an eine ganz neue Thematik heran geführt: Wissenschaftsgeschichte. Ich bin hier sehr naiv. Allerdings ist es wohl ausreichend, wenn der Gedankengang nur angerissen bleibt.
Für mich bauen sich fast jährlich neue Fragen auf. Als Beispiele möchte ich Ihnen zwei sehr einfache davon nennen: Nummer eins: Bienenanatomie. Ich verbrachte geraume Zeit damit, mich mit diesem Komplex zu beschäftigen. Ich zeichnete viel dazu, versuchte, mich in das Thema einzuarbeiten. Dann trat ich einen Schritt zurück und bemerkte, dass in dem Buch, das ich vorhin erwähnt habe, bereits viel gezeichnet worden war, und zwar entsprechend der Zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit Feder und Tusche. Dann trat ich von all dem einen weiteren Schritt zurück und nahm diese Federzeichnung selbst. Und schließlich stampfte ich damit eine riesige Arbeit aus dem Boden. Michael kennt einen Teil davon. Ich habe sie im Kunsthaus Bruckmühl ausgestellt und davor einen kleineren Teil im Gasteig. Aber es gibt noch viel mehr Blätter. Die liegen in der Schublade. Das zweite Gebiet ist die Frage: Was ist eigentlich Zucker? Die klingt zunächst selbstverständlich. Wir essen Honig, also wollte ich wissen, was im Glas drin ist. Und wir benutzen Zucker häufig ohne groß Nachzudenken. Oder wir sind auf unsere schlanke Linie bedacht und sagen: „Ok, Caffé durchaus, aber Zucker lasse ich weg.“ Das sind banale Gedankengänge. Doch eines Tages wollte ich es genau wissen. Beim Zucker ging es mir übrigens ähnlich wie bei der Bienenanatomie. Ich stieß auf einen Wust von Vorgefundenem. Ich arbeite häufig mit dem, was ich vorfinde. Viele Künstler machen das, manche arbeiten das Vorgefundene auch nur ein – wie auch immer. Im Fall des Zuckers entdeckte ich zwei in der Chemie übliche Darstellungsweisen, wie man Moleküle erfasst und abbildet. Sie sind nach zwei Herren benannt, die jeweils einen Nobelpreis bekommen haben, Herr Fischer und Herr Haworth. Das sind die Baumdiagramme und die räumlichen Diagramme. Die haben selbst bereits dermaßenen Bildcharakter, dass ich fast vor ihnen zurückscheute. Sie wissen ja, dass ich häufig arbeite, indem ich stemple, Buchstaben, Texte, gelegentlich Bilder. Stempeln hat gleich vom Anfang meiner künstlerischen Laufbahn zu meinen Äußerungsformen gehört. Es ist Arbeiten auf dem Papier, wie man es nennt, und für mich steht es in der Nähe des Zeichnens. Ich entdeckte, dass ich mir, indem ich selbst diese chemischen Diagramme stempelte, jene vorgefundenen Formen aneignen konnte. Sie liegen nahe am Vorgefundenen, aber eben nicht ganz. Was den Zucker betrifft, arbeitete ich mich natürlich an der Frage vorwärts, was wir vor uns haben, wenn wir von Fructose oder Glucose oder Raffinadezucker sprechen. Letztlich ist es dann doch einfach. Wir haben die Fruchtzucker, Glucose und Fructose, die für den Körper verträglich sind und sofort aufgenommen werden. Schmeckt eine Obst süß, dann wissen wir, woher das kommt. Und so weiter. Das fand ich dann wissenschaftlich in Gruppen aufgeschlüsselt. Raffinade ist grob gesprochen eine Mischung aus Glucose und Fructose. Einer der Ursprünge liegt im Zuckerrohr. Man braucht ein Enzym, um Raffinadezucker in die Fruchtzucker aufzuspalten und dem Körper damit die Möglichkeit zu geben, sie aufzunehmen. Man muss dieses Enzym bereit stellen, sonst wird es nix. Die Bienen wiederum tragen eine beträchtliche Menge des Enzyms in ihrem Honigmagen. Treffen sie also auf bestimmte Nektarsorten, die noch aufgespalten werden müssen, dann geschieht ein Großteil dessen bereits auf dem Rückflug von der Pflanze. Im Stock stehen dann Bienen bereit, die den vorfermentierten Honig entgegen nehmen und soweit nötig weiter fermentieren. Und schließlich wird er in den Zellen abgelagert, wobei Bienen dafür sorgen, dass der Wassergehalt auf ein bestimmtes Maß reduziert wird. Dies ist der gereifte Honig, den wir im Glas bekommen. Die weiße Farbe des Raffinadezuckers übrigens kommt daher, dass man aus dem braunen Zucker den letzten Rest an Melasse heraus gewaschen hat. Ernährungsphysiologisch besteht kein Unterschied. Ein Freund, der Chemie studiert hat, sagte einmal: Brauner Zucker ist dreckiger weißer Zucker. Maltose, der dunklere braune Zucker, ist hingegen etwas ganz anderes. Soweit ich weiß, ist das Malzzucker. Man kann aber wiederum in Diagrammen darstellen, aus welchen Zuckersorten sich beispielsweise Malzzucker zusammensetzt.
Ich will mich jetzt nicht zu ausführlich darüber verbreiten. Ich will Ihnen sagen, dass hier Einzelthemen erwähnt sind, in denen die Bilder bereits vorlagen. Inzwischen beispielsweise bin ich beim Thema Kommunikation gelandet. Das ist so komplex, dass selbst die Wissenschaft, die ständig hinter den Fragen herläuft, noch nicht dahin gelangt ist, es ganz zu erfassen. Daher möchte ich lose ein paar Sätze zum Thema Kommunikation anfügen. Uns ist klar, dass dieses Zauberwort, bei dem wir bisher davon ausgingen, dass Menschen kommunizieren – oder auch Beziehungen daran zerbrechen, dass nicht geredet wird – sehr begrenzt gedacht wird. Zunächst einmal rücken wir den Menschen zu sehr in den Vordergrund. Und das wollen wir für einen Augenblick ändern. Sie kennen vielleicht das Buch Phänomen Honigbiene von eben jenem vorher erwähnten Jürgen Tautz. Es ist mir ein wenig zu lecker aufgemacht und am Schluss steckt dann doch weniger dahinter, als man erwartet. Es ist ein Buch für den staunenden Anfänger. Es gibt nun jenes weitere Buch, auf das ich vorhin bereits eingegangen bin. Darin geht er etwas ausführlicher auf die Verständigung der Bienen ein. Das finde ich spannend, wenngleich nur der Weg vom Bienenstock zur Pflanze als Thema gewählt ist. Auch dabei jedoch lässt er mehr als die Hälfte weg, wie ich finde, vor allem – und das spielt hier die größte Rolle – unterschlägt er die Verständigung der Bienen mit den Pflanzen oder den Informationsaustausch verschiedener Völker untereinander oder die verschiedener Insektenarten und Pflanzenarten und so weiter. Mein hypothetisches Anliegen ist, die ganzen Formen der Kommunikation einmal sozusagen auf die Schnur zu fädeln und sie dann abzuarbeiten.
Was die Pflanzen betrifft, gibt es inzwischen zahlreiche Bücher, die, wie ich von einem bedeutenden Biologen hörte, beinahe esoterisch herangehen und das Wissenschaftliche in den Hintergrund rücken. Ich möchte keine Empfehlung aussprechen, sondern neutral auf sie eingehen, da sie im Trend liegen. Das eine heißt in deutscher Übersetzung Die Intelligenz der Pflanzen, das im Jahr 2013 von dem Florentiner Professor Stefano Mancuso veröffentlicht wurde. Das zweite Buch heißt Was Pflanzen wissen von dem Israeli Daniel Chamovitz. Es stammt aus dem Jahr 2012 und wurde 2017 neu aufgelegt. Es geht hier um einen neueren Zweig der Biologie und man darf nicht vergessen, wie viele ungenannte Leute überall auf der Welt in Forschungsgruppen sitzen und arbeitsteilig helfen, damit beispielsweise Stefano Mancuso populärwissenschaftlich schreiben kann. Allen Botanikern ist gemeinsam, dass sie auf Darwin zurück reichen. Denn tatsächlich war jener Darwin, dessen Texte zur Entwicklung der Arten weiter umstritten sind, weil man sie mit Eugenik in Verbindung bringt, ein hervorragender Pflanzenforscher war, der zusammen mit einem seiner Söhne zahlreiche erstaunliche Entdeckungen machte. Der gegenwärtige Zweig der Biologie bemüht sich um die Definition von Sinnesorganen bei den Pflanzen. Wir möchten gerne glauben, dass es sie gibt. Vermutlich sind es aber doch äußerst komplexe chemische Prozesse, die stattfinden. Hier ist übrigens die Rolle der Pilze neu zu denken, womit wir auf John Cage zurück kommen. Dennoch ist es für uns – sozusagen als Arbeitshypothese – hilfreich, von verschiedenen Sinnesorganen und den zugeordneten Sinnesempfindungen auszugehen. Denn dadurch lässt sich die These, die ich final präsentiere, müheloser in den Raum stellen.
Wenn wir nun bedenken, dass da separate Forschungszweige existieren, die einen bemühen sich beispielsweise um Bienen, die anderen um Pflanzen, dann müssen wir im Grunde abwinken. Denn es gibt nicht nur haufenweise Berührungspunkte, sondern es ist eine gemeinsame Welt. Wir stehen davor und sehen sie als Ganzes. Die Tatsache, dass mehrere unterschiedliche Gruppen von Forschern sich um Aufschlüsse bemühen, ändert nichts am sinnlich Tatsächlichen. Ich möchte es vereinfacht so formulieren: Es handelt sich um ein Kommunikationsuniversum. Der Mensch nimmt hier eine Sonderrolle ein. Einerseits muss man ihn für einen Augenblick ausklammern. Das hat den Grund, dass wir als Betrachter auftreten und uns distanzieren können. Aber wir müssen uns auch einbeziehen. Denn wir sind selbstverständlich als Kommunikatoren beteiligt. Die Rolle des Menschen stellt sich noch einmal als ganz neue Frage. Die will ich hier zwar kurz anreißen, genau an dieser Stelle aber den Schlusspunkt setzen.
Vielen Dank