Holzmodell Bienenkasten


Ungefähr bis zum Jahr 2000, wahrscheinlich darüber hinaus, hing ich während des Frühjahres und während der Sommermonate, wenn ich nicht bei den Bienen war, mit Fragen, die ich zum hundertsten mal beantwortet haben musste, oder mit für mich offenen Themen bei Franz herum. Wir saßen in seinem Wohnzimmer oder auf dem Balkon, der auf einen kahlen Innenhof mit Garagen hinunter ging. Seine Frau kochte uns Kaffee, häufig ohne ihn mit uns zu trinken, und zog eine Blechdose herbei, der sie Kuchenstücke oder Plätzchen entnahm. Franz und ich sprachen pausenlos über Bienen. Er vertrat zu jedem Thema, selbst zu entlegenen Angelegenheiten, eine strikte Ansicht, begründete sie ausführlich, war geduldig mit mir und auf jeden möglichen Einwand gefasst. In seinen Standpunkten war er hart und unnachgiebig. Es kam mir vor, als renne ich allein gegen eine Festung an. Dennoch griff ich zahllose Themen wieder und wieder auf, vielleicht in der Annahme, es gebe doch ein Schlupfloch in seinem Befestigungswall. Wir fochten jahrelang die Materialfrage aus. Ich konnte nicht glauben, dass Styropor ein derart ideales Material für Bienenkästen ist. Franz hielt bestenfalls noch Stroh und Schilf für geeignet, und er nahm sofort ein Papier zur Hand und zeichnete mir auf, wie sich Schilf zu einer Zarge pressen ließ. Aber das überzeugte mich nicht. Letztlich bin ich aus dieser Frage bis heute nicht heraus gekommen.


(Zeichnungen: Rumänischer Bienenstock mit dreickigem Durchschnitt, runder afrikanischer Bienenstock
große Nitrofrottage: Bienenkorb)

Im Jahr 2008 saß ich im Atelier und baute das Modell eines Bienenkastens. In welchem Verhältnis er zum Original steht, das ich am Stand verwende, ist nicht ganz klar. Das Modell hat eine Breite von zehn Zentimetern. Der Rest ist maßstabsgetreu ausgerichtet, vermutlich etwa in der Proportion 1 : 5,5. Damals leimte und schmirgelte und lackierte ich tage- und wochenlang herum, wobei mich wieder die Materialfrage bewegte. Das Arbeiten, stellte ich fest, ging einher mit dem Nachdenken. Das Modell ist natürlich aus Holz, genauer aus schichtverleimter Birke. Und es ist zu komplex, um abgeformt und gegossen zu werden, obwohl mir genau die Vervielfältigung dabei im Sinn lag. Letztlich ist es aufgeladen mit der Frage, wie ein hölzerner Bienenkasten, dessen Gewicht reduziert ist, aussehen müsste. Zuerst hatte ich Franz jahrelang damit genervt, dann mich selbst. Danach diskutierte ich das Thema mit einem Freund rauf und runter. Wir nahmen es immer wieder auf, doch fanden erst 2015 eine erste Antwort. Was ich mit dem Modell vorhabe, ist noch nicht klar. Bislang steht es herum und staubt ein.

(Foto Bienenstockmodell)