Rückinfektion


Vor einigen Jahren fand eine Veranstaltung statt, die im Titel den Vorsatz trug, Stadtimkern den Weg zu ebnen. Das Bienenthema wird seither in den Medien häufig empor gekocht. Die Bienen sind bedroht, diese Einschätzung hat die meisten Leute erreicht. Nur Abhilfe ist nicht in Sicht.
Ein junger, schlaksiger Mann, ein sogenannter Kommunikationswirt, sprach begeistert von der Bienenhaltung. Er erinnerte mich daran, wie ich vor Jahren gesprochen hatte. Sobald man in die Bienenkunde eintaucht wie in die Erdatmosphäre wird man euphorisch gestimmt. Doch sobald man praktisch mit den „Mädels“ arbeitet, wird man ruhig und konzentriert und vergisst alles um einen herum.
Nachdem der dünne Mann, von dessen Berufsstand ich bislang nicht gewusst hatte, sich in seinem Vortrag verausgabt hatte, ließ er Fragen zu. Gleichzeitig schien er ein wenig ungläubig wie es möglich sein konnte, dass nach seiner umfänglichen Darstellung überhaupt noch Fragen gestellt werden konnten. Für ihn schien alles abgehandelt und mehr gab es nicht zu sagen. Aus seiner Sicht, in der ich meine Sicht von vor zwanzig Jahren erkannte, musste das stimmen.
Nun.
Nachdem Fragen zugelassen waren, fragte ich, wie lange er schon Bienen hielte. Da wurde er verlegen und zögerte und erinnerte mich sofort wieder an mich. Er hatte noch gar keine Völker, sondern wollte im folgenden Jahr erst beginnen.
Wie ich hörte, entschied der schlaksige Bursche sich später, einen breiter gestreuten Ansatz zu verfolgen und wendete sich von den Stadtimkern ab. Ob er schließlich Bienen hielt, weiß ich nicht, vermute aber, dass er es trotz seiner anfänglichen Begeisterung bleiben ließ. Jedoch tauchte er, wie ich erfuhr, von Zeit zu Zeit auf und bemängelte, dass die von ihm geschaffene digitale Infrastruktur, all die Verlinkungen und Vernetzungen brach lägen. Die Seite werde nicht gepflegt, sagte er, die Titel wie Stadthonig oder Stadtimker oder „Was-auch-immer“ würden nicht benutzt. Was sei das hier? Und er selbst, das lustigste Beispiel für „nomen est omen“, das ich seit langem gehört hatte, denn er heißt Daniel Überall, torkelte in meiner ungenauen Vorstellung wie ein verirrter Falter durch die ökologische Szene.
Weiter gab es noch zwei andere Personen auf der Tribüne. Der eine war ein anthroposophischer Imker, der andere kam aus Berlin und hielt ebenfalls Bienen. Beide Herren wirkten ruhig. Dennoch ließ der Mann aus Berlin ein leichtes Unbehagen in mir aufsteigen. Er schien davon auszugehen, dass die Berliner die Stadtimkerei erfunden hätten. So folgerte ich beunruhigt. Und sie brachten dem sturen Fleckvieh, also uns, den Bayern, die frohe Botschaft.
Später durchforstete ich das Internet und erkannte, dass alle Seiten, die Stadtimker oder Stadthonig oder ähnliches im Namen führten, reserviert worden waren. Mein eigenes Bedürfnis, dahin gehend Platz zu belegen, ist gering, da ja apicultura alles ist, was ich brauche. Dennoch überraschte es mich.


Als ich anfing, Bienen zu halten, richtete Franz einen Großteil meines Lernens sofort auf den Anfang des neuen Bienenjahres (am 1. August) und die Notwendigkeit der Varroabehandlung. Ich lernte, während des Sommers Drohnenwaben auszuschneiden. Franz betonte, wie wichtig die Varroabehandlung für alle Imker ist. Denn ein mit Milben durchseuchtes Volk hat ein hohes Potential an Rückinfektion für Völker, die in der Nähe stehen. Wer nicht oder zu wenig behandelt, gefährdet andere im Umkreis. Gewöhnlich kennt man die (ernsthaften) Imker in der näheren Umgebung. Das Problem sind daher nicht diejenigen, die eine solide Behandlung gegen die Milbe durchführen, sondern solche, die auf halbem Weg aufgeben, denen die Kosten für die Kurse und das erforderliche Material zu hoch werden und die ihre Völker einfach verwaisen lassen.

Vor einiger Zeit schrieb ich einen bissigen Beitrag im anthroposophischen Forum „mellifera“. Diese Leute verkaufen das Wesensgemäße. Meine Absicht war selbstverständlich, die Diskussion auf das Milbenthema zu lenken, anstatt sich selbst zu beweihräuchern. Auf zahlreichen anthroposophischen Internetseiten wird gepredigt, dass man nicht gegen die Milbe behandeln darf. Gar nicht. Weder zum Winter hin, noch im Frühling und Sommer, wenn, wie ich es von Franz gelernt habe, Drohnenwaben ausgeschnitten werden müssen. Denn einige Anthroposophen fassen dies als eine Amputation auf. Und im Winter, sagen viele, sollen die Bienen selbst damit fertig werden. Aber zahlreiche Argumente, die sie vorbringen, sind sachlich falsch. Der Beitrag wurde von gewissen Administratoren intern geprüft und kurz darauf gelöscht.