Sonnenabdruck


Diese Skulptur realisierte ich Ende des Sommers 1993 und stellte sie im folgenden Jahr aus. Wenn man das Wachs erhitzt und die Abkühlung unter Luftabschluss forciert, wölbt sich die Oberfläche nicht nur stark nach innen, sondern es ergibt sich auch eine mäandernde Oberfläche. Die Seite ist glatt, entsprechend des Topfrandes, in dem man das Wachs schmilzt. Am Boden entsteht nach jedem Schmelzvorgang, nach dem Erkalten, eine Schicht Schlacke, die man abkratzt. Darin sammeln sich alle Schmutzpartikel, auch tote Bienen oder ehemals benutzte Zellen oder nur die Chitinhäutchen, mit denen die Bienen umkleidet sind und aus denen sie schlüpfen. Dadurch wird das Wachs heller und strahlender. Im Übrigen ergeben sich drei Arten von Oberflächen.



Foto Wachsblock

Wespenplage


Als ich durch einen Fehler eine Wespenplage am Bienenstock heraufbeschworen hatte, sagte Franz: „Du musst Fallen bauen, rasch. Geh ein paar Gläser Marmelade kaufen, mit Blechdeckel.“ „Welche Sorte?“, fragte ich allen Ernstes. Aber Franz schüttelte nur den Kopf und winkte mir, mich zu beeilen. Man nimmt ein Glas Marmelade, das zu einem Drittel voll ist, schüttet etwas Wasser hinzu und sticht mit einem Messer in den Deckel einige kreuzförmige Löcher, die gerade groß genug sind, um eine Wespe einschlüpfen zu lassen. Bienen sind an Marmelade nicht interessiert. Wespen schon. Wenn man im Sommer Wurst auf dem Teller liegen hat, fräsen sie mit ihren starken Kauwerkzeugen kleine Ecken aus. Sie sind Allesfresser. Und werden von der Marmelade sofort angelockt. Deshalb kriechen sie umgehend in die Gläser, und die scharfen nach innen ragenden Blechkanten verhindern, dass sie wieder herauskönnen. Also ertrinken sie. Nach ein paar Tagen waren die Gläser randvoll mit Toten, und ich schüttete sie auf einen Haufen. Nach einer Woche begann der Haufen nach Aas zu stinken wie ein toter Igel und ich vergrub ihn. Nach einer weiteren Woche grub ich ihn wieder aus, um zu sehen, was damit geschehen war. Er hatte sich kaum verändert.

aus den Honiggeschichten

1993


Das Jahr 1993 begann ruhiger als das Jahr zuvor. Ich hatte nicht nur eine gewisse Souveränität gegenüber den Bienen entwickelt, sondern mich auch während des Winters vorbereitet. Ich hatte (...) vor dem Hintergrund der ersten Erfahrungen erneut nachgelesen, mir überlegt, was ich falsch gemacht hatte und mir einen Fahrplan zurechtgelegt, zumindest für die erste Zeit. Außerdem hatte ich alles zigmal mit Franz durchgesprochen. Er war sozusagen mein Coach.