"I welcome whatever happens next." (Cage)




Kurz vor meiner Abreise hatte sich der hundertste Geburtstag von John Cage gejährt. Im entsprechenden Zeitungsartikel hatte ich einen umwerfenden Satz gelesen. Als John Cage zum Thema Zukunft befragt wurde, antwortete er: „I welcome whatever happens next.“

Die auf dem Boden liegenden Pendeltürenplatten hingen im Jahr 1992 bei meiner ersten Ausstellung zum Thema in einem doppelten, durch ein halbes Geschoß auseinander liegenden Raum. Sie waren von unten in ein umlaufendes Aluminiumprofil gesteckt. Zwischen jeweils zwei der gelblichen Platten sind Zeichnungen eingelegt. Damals sprach ich von dem Prinzip Vorratshaltung, das auch die Bienen betreiben.
Mein Plan, das Ganze auf dem Boden zu präsentieren, bestand lange, wenngleich nicht zwanzig Jahre. Die Jahre 1992 und 2012 sind miteinander durch zwei Jubiläen verbunden. Das erste ist mit einer Ausstellung abgehandelt. Das zweite folgt in dieser kleinen Präsentation.





Zum einen ließ ich hier zwischen den Platten fußbreite Abstände, zum anderen sollten die Zeichnungen nicht nur von einer Seite gelesen werden. Wer sich alles näher ansehen oder die klein gestempelten Texte entziffern wollte, musste sich entscheiden, ob er auf eine der Platten trat oder seinen Schuh auf den dazwischen frei gelassen Boden setzte. In die Zwischenräume zu steigen, erforderte Akrobatik, wenngleich nicht besonders anspruchsvolle. Das Betreten der Platten und insofern der Kunst, spielte mit dem Übertreten einer Hemmschwelle. Einige sagten: „Das macht mir gar nix aus, da steig ich gleich extra drauf.“ Doch ich vermute, dass so die wenigsten reagierten. Die Legung geschah meinerseits nicht als Test, wie frech oder unverfroren oder sensibel die Besucher bei der Betrachtung handelten. Sie liest sich zwar leicht so, doch tatsächlich war mein Antrieb, die Platten einmal auf dem Boden liegend sehen zu wollen und sie nicht vorzuenthalten. Die Legung war ein Test. Sollte eine spätere Ausstellung folgen, wüsste ich, wie ich es hinzulegen hätte.







Ein Fotograf, der im vergangenen Winter einige Aufnahmen zu einem Artikel in einem Begleitheft einer Tageszeitung gefertigt hatte, kontaktierte mich. Er suchte für ein bekanntes Journal Menschen zwischen vierzig und sechzig Jahren, für jedes Jahr einen. Diese Personen sollten ungewöhnliche Tätigkeiten ausüben. Zudem sei gefragt, dass sie einige prägnante Sätze über das Thema Zukunft aussagten. Es schien ihm peinlich zu sein, doch er musste mich nach meinem Alter fragen. Das Bienenthema hatte er bereits im Kasten. Ich schrieb zurück, dass ich 49 Jahre alt sei und unter Zukunft stelle ich mir die sich in der jeweiligen Zukunft ereignende Gegenwart vor. Zugegebenermaßen ist mein Weltbild weder optimistisch noch pessimistisch. Als Antwort kam zurück, dass es ihm unangenehm sei, mich aufgescheucht zu haben, aber jemanden, der 49 Jahre alt sei, habe man bereits. Sie brauchten aber noch Personen beispielsweise im Alter von 59 Jahren. Als ich zurückschrieb, ein guter Freund sei genau 59 Jahre alt, engagiere sich für alternative Energien, Gartenbau, Landschaftsbau und sei staatlicher Spielplatzprüfer, wohne jedoch in Neustadt an der Weinstraße, also etwa 350 km entfernt, kam keine Rückantwort.





In den Zeichnungen sind das Figurale und das Modellieren thematisiert. Anfänglich zeichnete ich auf eine Weise, die ich mittlerweile aufgegeben habe. Damals entstanden Unikate. Vielleicht nahm ich die Bienen, die Waben, die Stöcke und den Imker bevorzugt figural wahr. Daran kann ich mich zwar nicht erinnern, könnte der Fragestellung allerdings einmal nachgehen. Heute lässt jede Zeichnung, auch wenn sie nur einmal besteht und das sogar beabsichtigt ist, die Möglichkeit offen, dass sie mehrmals hergestellt werden könnte. Selbst wenn Vervielfältigung und Kopie nur als Konjunktive bestehen, sind sie im Bild anwesend.


Bienen sind reine Energie. Gelegentlich verglich ich den offenen Bienenstock provokativ mit einem Atomreaktor, was viele Menschen dazu verleitete, zurück zu zucken, entweder vor dem ungültigen Vergleich oder vor den Bienen.







In diesem Jahr schnitt ich eine Drohnenwabe aus, die an den Rändern voll mit frischem, stockwarmem Honig war. Dabei hatte ich übersehen, dass auf der Rückseite eine tote Biene klebte. Als ich hineinbiss, konnte ich den Honig, die Wabe und die Biene unterscheiden. Ich konzentrierte mich auf die Biene, da in ihr sozusagen eine Premiere lag. So stellte ich fest, dass eine tote Biene nach Papier schmeckt.