Varroa


Einen Eindruck von der Vitalität dieser Seuche bekommt man am Modell Schweiz. Im Jahr 1984, liest man, wurden die ersten Bienenvölker von der Milbe befallen. Ich vermute, dass der Parasit aus mehreren Richtungen eingewandert ist. Über die Grüne Grenze, denn gegen nationale Ambitionen ist die Milbe ignorant. Fünf Jahre später bereits war sie in der gesamten Schweiz zuhause. Man weiß seit langem: Sie verbreitet sich, indem sie auf Bienen sitzt, die sich in andere Völker verfliegen und über Bienenschwärme, die auf der Suche nach einer neuen Unterkunft größere Strecken zurücklegen. In manchen Ländern wird die natürliche Verbreitungsgeschwindigkeit durch Wanderimker beschleunigt. In den USA werden die Bienen über tausende von Meilen transportiert. Nicht so in der Schweiz. Da wird praktisch gar nicht gewandert. Sogar Freistände, die das Wandern begünstigen, sind selten. 75 % der Imker bevorzugen das Häusliche. Aber die Schweiz hat eine hohe Bienendichte. Deshalb geht die Ausbreitung dort so schnell.
Man hat der Milbe den wissenschaftlichen Namen varroa destructor gegeben. Die Namensgeber haben sich offenbar bemüht ihn besonders furchterregend klingen zu lassen: Die Zerstörerin. Wodurch ich sofort an einen frühen Film mit Arnold Schwarzenegger erinnert bin. Man hat heute natürlich sehr viele wissenschaftliche Erkenntnisse. Woher sie kommt: aus Südostasien. Wie die Bienen dort in Eintracht mit ihr leben: besseres Putzverhalten und kürzere Entwicklungszeit der Arbeiterin. Wann und wo der Wechsel auf die westliche Biene stattgefunden hat: 1952 in Ostsibirien und wie ich vermute, auf die Primorski-Biene. Wie die Varroa in ferne Länder reist, sogar in Kontinente: durch Bienenimporte. In welchen Ländern sie nicht ist: Australien und Antarktis. Wie sie sich orientiert: durch ihren Geruchssinn. Wo ihre Geruchssinnesorgane angebracht sind: inMulden der Füße. Wie sie sich vermehrt: durch Eiablage.Und wo sie das tut und wie schnell das geht und so weiter.
Und wie man ihr auf alles draufgekommen ist.
Dennoch gibt es kein Behandlungsmittel, mit dem alle einverstanden sein können. Umso fantastischer klingen gelegentlich die Meldungen von Heilerfolgen. Was eine direkte Proportion vermuten läßt. Und ebenfalls beachtlich, was die Imkerzeitung alles druckt. Einmal gab es einen Bericht von Milbenvernichtung durch Schall. Da hat einer seine Stereoanlage in den Garten getragen und die Boxen an den Stock gehalten. Davon seien die Milben heruntergefallen. Allen Ernstes.

aus den Honiggeschichten

Und ich frage mich selbstverständlich, was dieser Imker den Bienen vorgespielt hat.

Eine Methode, der (fast) alle zustimmen, ist das Ausschneiden der Drohnenwaben im Sommer. Geraume Zeit vor dem ersten Honig darf kein Behandlungsmittel gegen die Milbe eingesetzt werden. Sobald die Bienen anfangen zu bauen, gibt man ihnen leere Rähmchen. In diese hinein setzen sie die Zellen für die männlichen Bienen. Die Zellen sind ein wenig größer entsprechend der Drohnen, die einen breiteren Hinterleib haben. Die Drohnen brauchen 24 Tage, bis ihre Entwicklung abgeschlossen ist. Die Arbeiterin hingegen schlüpft nach 21 Tagen. Die Milbe legt ihre Brut in Zellen, damit diese an den Puppen fressen kann. Doch die Milbe ist klug und wählt gern die Drohnenzellen, da diese drei Tage der Entwicklung ihrer Brut hilfreich sind. Gibt es viele Milben im Stock, legt die Milbe natürlich auch die Zellen der Arbeiterinnen voll und diese kommen dann beispielsweise mit verkümmerten, also weggefressenen Flügeln zur Welt. Da aber die Drohnenwaben bevorzugt werden, schneidet man sie über den Sommer hinweg aus. Franz brachte mir bei, dass die Drohnenwaben bei zwei Bruträumen im Wechsel ausgeschnitten werden sollen. Denn haben die Bienen auf die Brut einen Deckel gesetzt, ist diese versiegelt. Dann erwischt man beim Ausschneiden der Drohnen auch die Milben. Im Sommer, so heißt es, ist das die einzig praktikable Methode, und sie sei sehr effektiv, heißt es, da beinahe die Hälfte der pro Jahr anfallenden Milben dadurch vernichtet würde. Jedoch werde ich von Zuschauern am Stand ständig gefragt, woher dann die Königinnen, die befruchtet werden müssen, die männlichen Bienen nehmen. Gute Frage.

Es gibt, liest man, zwei Hauptarten der Milbe, die offenbar schnell mutiert und gegen bestimmte Behandlungsmittel Resistenzen entwickelt. Der erste Nachweis von der russischen Pazifikküste stammt von 1952, aus Japan von 1958. In Europa wurde sie zuerst 1967 in Bulgarien gefunden. Der erste deutsche Nachweis stammt aus dem Jahr 1977. Soweit ich weiß, ist sie aus der Bienenlehranstalt in Oberursel bei Frankfurt entwichen, als man versuchte, die indische Biene mit einer der bei uns heimischen Rassen zu kreuzen. Das Vorhaben misslang natürlich, aber wieder ließ jemand eine Tür offen. Binnen kurzem waren hunderte Völker um die Lehranstalt infiziert. Die Milbe verbreitet sich schnell und auf verschiedensten Wegen. Bei uns sind einige Imker wegen der großflächigen Monokulturen der industrialisierten Landwirtschaft zum Wandern mit ihren Völkern gezwungen.

Lange wurde versucht, resistentere Bienenrassen in die bestehenden einzukreuzen. Das führte jedoch nicht zu großem Erfolg. In der Natur vorkommende Säuren, Ameisen-, Oxal- und Milchsäure, werden erfolgreich eingesetzt. In letzter Zeit wird mit Temperaturunterschieden experimentiert. Die Milbe erträgt weniger Hitze als die Biene.


Die Milbe ist mit bloßem Auge erkennbar. (Einmal hörte ich in einem völlig unmöglichen Fernsehbeitrag einen schwäbischen Imker sagen, die Milbe sei nicht gefährlich, da man sie mit bloßem Auge sehen könne.) Sie sitzt auf Bauch oder Rücken der Drohnen oder der Arbeiterinnen, hat ein Loch gebohrt und saugt deren Lymphflüssigkeit, die unserem Blut ähnelt, jedoch frei im Körper fließt. Nachdem die Milbe abgefallen ist, heißt es, bleibt ein Loch, durch das Sekundärinfektionen beispielsweise durch Viren möglich sind. Franz bezeichnete die Milbenseuche als die wirkliche Bedrohung, und er hatte Recht.

Bienenrecht


Im Bürgerlichen Gesetzbuch findet sich eine eigene Abteilung über Bienenrecht. Es geht darin beispielsweise um Besitzansprüche, die neu gefangene Schwärme betreffen oder das Recht des Imkers, ohne nachzufragen, fremde Gärten zu betreten. Natürlich klingelt man im Zweifelsfall, doch in der Verfolgung von Schwärmen, die sich ja nicht an die Straßenverkehrsordnung halten, habe ich Odysseen erlebt, ganze Tage verbraten, um am Ende festzustellen, dass der Schwarm kaum rentabel war. Denn in der Luft schaut ein Schwarm beeindruckend aus, während man seine Größe am besten abschätzt, wenn er am Baum hängt. Ich bin über Mauern und Zäune geflankt und verharrte plötzlich auf unbebauten Grundstücken, wo das Gras hoch stand, Grundstücke, von denen ich nicht gewusst hatte, weil sie in zweiter Reihe lagen, auf die die Sonne herunter brannte und wo nie gemäht wurde und wo seltene Pflanzen wuchsen und wo plötzlich Stille herrschte, und dann rannte ich weiter. Das geschah vornehmlich, als ich in Pasing wohnte, von den Jahren 1994 bis 2002. Später wurden die Schwärme weniger, da ein Imker, der mit den Bienen umzugehen weiß, kaum noch Schwärme verliert, sondern im Zweifelsfall einen Ableger macht.
















Im Juni des Jahres 2014 fing ich einen Schwarm, der nicht mir gehörte. Er hing in einen nahe gelegenen Garten herüber, auf der Grenze zu einem winzigen Kinderspielplatz, von dessen Existenz ich nichts gewusst hatte. Der hiesige Hausbesitzer kannte die Leute, die dort wohnten. Eine Frau, der ich manchmal auf der Straße begegne, mit zwei kleinen Kindern, war zuhause. Es ist ein neu gebautes Haus mit vier großen, aber flachen und einfallslos geschnittenen Wohnungen, die mich an Schuhschachteln erinnerten. Der Hausmeister werkelte gerade herum und lieh mir sofort seine hölzerne Leiter und einen Handbesen. Dann schlug ich die Bienen in einen Pappkarton ein und schlenderte damit gemütlich in den Rosengarten. Als ich eine stark befahrene Straße überquerte, sah ich nur müde und genervte Leute, die allein in ihren Autos saßen und im Stau verharrten. Ein Arbeiter bemerkte, was ich da trug, lachte und reckte die Daumen nach oben. Wer zuerst am Ort ist, wo der Schwarm sich niedergelassen hat und ihn einfängt, ist der neue Besitzer.

Staatsexamen


Nach der maximalen Studienzeit legte ich im Jahr 1994 schließlich mein Staatsexamen ab. Es war nicht meine Absicht gewesen, Kunsterzieher zu werden. Genau genommen hatte ich mich bereits gegen die ganze leidige Prozedur entschieden, aber andere, darunter auch mein Professor überredeten mich, sie sagten in etwa: Was du in der Tasche hast, und so weiter. Dabei rollte es über einen drüber wie ein Güterzug. Mit einem Freund, der mich begleitete und ohne dessen Wegweisungen ich es gar nicht geschafft hätte, saß ich mindestens dreimal pro Woche in der Wirtschaft und wir tranken Bier und redeten blöd daher. Bei diesen Gelegenheiten beispielsweise sagte er mir: Morgen um acht hast du diese und jene Prüfung, komm nicht zu spät, beziehungsweise komm überhaupt. Er schleuste mich durchs Examen. Also ließ ich den Zug über mich drüber rollen.
Es gab etwa fünfzehn Prüfungen und eine der letzten war die praktische. Sie bestand aus vier Themen, zu denen man, an einem Tag angefertigt und ohne Zuhilfenahme fremder Mittel, etwas vorlegen sollte. Ständig lungerte irgendein Kunsterzieher, den man aus irgendeiner Schule, meist auf dem Land gelegen, herbei gezerrt hatte, bei uns in der Baracke herum und überwachte unsere Tätigkeiten. Man konnte sich mit ihm gutstellen, dann ließ er einem etwas durchgehen. Andererseits war mir nicht klar, was das in meinem Fall hätte sein sollen.

Übrigens eine, wie ich fand, der besonders blöden Anforderung war: farbiges Gestalten in der Fläche. Meine große Arbeit, das hatte ich schnell heraußen, bestand in einem Regal, das aus drei Etagen bestand und mit Arbeiten zum Bienenthema vollgelegt oder vollgestellt war. Unter anderem tauchte die einzeln gegossene Arbeit Sonnenabdruck dort doppelt auf, jeweils mit Gewichtsangabe. Allerdings habe ich vergessen, unter welcher Kategorie sie eingeordnet wurde. Es war mir auch gleichgültig. Hauptsache, dachte ich da, ging der Zirkus endlich vorüber.

Kleine Honigkunde


Bienen gewinnen Honig einerseits aus Nektar. Ich finde, das Wort hat einen biblischen Klang und man denkt dabei an das Land, in dem Milch und Honig fließen. Chemisch ist Nektar eine wässrige Zuckerlösung, die eine Pflanze hergestellt hat. Viele Pflanzen haben Nektardrüsen. Häufig liegen sie am Grund der Blüte, an der unteren Seite des Stempels. Manchmal werden sie von den Bienen mit ihren Rüsseln nur mühsam erreicht. Die Bienen kriechen dazu tief in die Blüte und der weitere Zweck ist, dass an ihren haarigen Körpern eine Menge Blütenstaub hängen bleibt, womit sie die Bestäubung sichern. Sie kehren ihn mit ihren Beinen, die auf der einen Seite wie Bürsten aussehen, zusammen und verkneten ihn zu kleinen Kugeln, den sogenannten Höschen. Pollen ist der Samen, das männliche Element der Blüte. (Erste Stunde in Sexualkundeunterricht.) Spurenelemente von Pollen finden sich auch im Honig. Der Nektar wird aufgesaugt und in einen Honigmagen geschluckt. Dort wird er fermentiert. Das Handbuch sagt: Bei großem Trachtaufkommen wird der Nektar nicht so ausgiebig fermentiert, weil es schnell gehen muss. Deshalb ist Rapshonig anscheinend weniger gesund als Mischblütenhonig, für den die Bienen sich Zeit lassen können.
Die Muskulatur entlang der Speiseröhre ist so konstruiert, dass sie den Inhalt auch in die andere Richtung befördern kann. Also ein umgekehrtes Schlucken. Vom Honigmagen gibt es noch eine zweite Öffnung, die in den Verdauungstrakt führt und eine Einbahnstraße ist. Wie beim Menschen. Ein Pförtner regelt den Durchgang. Was die Bienen an Energie verbrauchen, vor allem zum Fliegen, decken sie durch vorverdauten Nektar.
Zweitens gibt es Honigtau. Er nimmt zuerst den Weg durch Blattläuse. Sie bohren Pflanzen an, vor allem Bäume, und saugen den Siebröhrensaft, ebenfalls eine wässrige Zuckerlösung. Es gibt einige Arten davon, im Grunde hat fast jeder Baum eine eigens auf ihn zugeschnittene Blattlaus. Was sie durch den Darm ausscheidet, setzt sich als Honigtau auf den Blättern ab. Vor allem im Juli, wenn der Wald honigt. Die Bienen schlecken die Zuckerlösung von den Blättern auf. Honigtau-Honig besteht vorwiegend aus einer Zuckersorte, wird sehr schnell in der Wabe fest und hat den Spitznamen Zementhonig. Wenn es im Juli häufig regnet, wird der Honigtau von Blättern und Nadeln gewaschen, bevor die Bienen ihn sammeln können. Die Tracht fällt aus. Als Imker in der Stadt ist man dagegen weitgehend gefeit.
Nach der Rückkehr in den Stock, manchmal schon auf dem Flugbrett, wird der vorverdaute, erstmals fermentierte Honig den Stockbienen übertragen. Sie verarbeiten ihn weiter und lagern ihn in die Zellen ein. Zu diesem Zeitpunkt ist der Wassergehalt noch zu hoch. Die Feuchtigkeit wird durch Verdunstung entzogen. Deshalb sieht man auf herausgezogenen Waben oder am Eingang zum Stock oft Bienen, die durch eifriges Flügelfächeln einen Luftstrom erzeugen. Im Sommer, wenn man seine Nase direkt vors Flugloch hält, kommt einem ein richtiger Honigwind entgegen. Reifer Honig wird mit einem Wachsdeckel verschlossen. Es gibt Sonden, mit denen professionelle Großimker den Wassergehalt des Honigs messen. Für den einfachen Imker gilt als Faustregel: Wenn dreiviertel einer Wabe verdeckelt sind, ist der Honig reif. Man kann dann noch eine Schüttelprobe machen, indem man die Wabe waagrecht hält, und wenn nichts heraustropft, ist alles ok. Die Schüttelprobe ist aber unzuverlässig. Denn wie gesagt, es kann sich ja auch um Zementhonig handeln.








Honig gilt in Deutschland als landwirtschaftliches Nebenprodukt. Das ermöglicht dem Imker, ohne umfangreiche Gesetzesauflagen Honig zu produzieren und ihn zu verkaufen. (...) Die bisherige Handhabung bedeutet gleichermaßen Freiheit und Verantwortung. Jedoch ist erstaunlich, dass in einem Land, das für seine umfangreichen Reglementierungen berüchtigt ist, eine solche Nische bleiben konnte. Ganz anders übrigens Propolis, das Kittharz der Bienen, das sehr ausgeprägte antibiotische Wirkung hat. Die Bienen verschließen alle Ritzen im Stock damit und kleben fest, was nicht niet- und nagelfest ist. Außerdem modellieren sie aus Propolis eine Schwelle am Eingang des Stockes, quasi einen antibiotischen Fußabstreifer, mit dem sie ihre kleinen Füße desinfizieren, bevor sie in den Stock schlüpfen. Propolis gilt als Arzneimittel, es darf nur von besonderen Imkern, die sich arzneimitteltechnischer Überwachung unterziehen, gewonnen werden. Und nicht jeder darf es verkaufen. Natürlich wird es trotzdem getan, auf Wochenmärkten, mehr oder weniger unter der Hand. Dass Honig so eingestuft wird und dabei durch alle gesetzlichen Gitter rutscht, liegt daran, wie gesagt, dass die Bienenhaltung von Bauern früher nebenher ausgeübt wurde.
Neuerdings liest man in der Imkerzeitung, dass (...) Verordnungen erlassen worden sind. Es wäre auch zu verwunderlich, wenn ausgerechnet die Bienen ohne Gesetze auskommen könnten. Vor zwei, drei Jahren wurde eine Meldepflicht eingeführt. Jeder Imker muss angeben, wo seine Bienen stehen, wieviele Völker er hält und welche Medikamente er verwendet. Das Ereignis wurde (...) kontrovers diskutiert, und ich vermute, viele Imker hielten sich nicht daran. Ein Formular tauchte auf, das ganz offensichtlich ein trockener Verwaltungsbeamter entworfen hatte. Ich füllte es (...) nicht aus. Franz war dagegen, aber er füllte es trotzdem aus. Ich glaube, man sollte es ins Landwirtschaftsministerium schicken. Damit der nächste Verwaltungsbeamter den Zettel abheften konnte.
Im Winter 2003/2004 rief Herr Hölzl, damals Vorsitzender des Imkervereins, mich an:
Hier ist Hölzl. Wieviele Bienenvölker haben sie eingewintert?“, fragte er.
Sieben“, antwortete ich.
Auf Wiedersehn“, sagte er.
(...)
Problematisch ist eine neue europäische Verordnung. Danach ist es erlaubt, den Pollen aus dem Honig zu filtern. Das mag auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen. Die Menge an Pollen, die sich im Honig befindet, ist ziemlich gering und höchstens von homöopathischem Nutzen. Allerdings ermöglicht Pollen eine genaue Bestimmung der Erntezeit und der Herkunft. Denn für eine Reihe von Ländern besteht Einfuhrverbot. Meistens wegen starker Verunreinigungen, die man regelmäßig im Honig gefunden hat. China gehörte zu diesen Ländern. Oder wegen der Verbreitung der bösartigen Faulbrut. (...) Für ein Bienenvolk bedeutet sie das komplette Aus und macht für alle Imker eine Quarantänezone im Flugradius um das Bienenvolk erforderlich. Man hatte sich angewöhnt, Honig umzuetikettieren und über Drittstaaten einzuführen. Ein gängiger Trick, der mit Hilfe der Pollenanalyse nachweisbar blieb, auch wenn sie teuer war und nicht allzu oft praktiziert wurde. Die neue Verordnung aber untergräbt alles. Auf europäischer Ebene fällt die nationale Beschränkung.

Honig ist in begrenztem Umfang Gegenstand von Rechtsfragen. Schon 600 v. C., belehrt uns das Lexikon, wurde die Biene in Griechenland zum Rechtsgegenstand. Man regelte Fragen der Wanderung und der Aufstellung, was ein relativ präzises Wissen voraussetzt. In der Honigverordnung des Jahres 1976 wird speziell der Ursprung des Honigs unter die Lupe genommen und eine scharfe Grenze zur Panscherei gezogen. Es heißt darin wörtlich in der Anlage 1 zu § 1:

Honig
flüssiges, dickflüssiges oder kristallines Lebensmittel, das von Bienen erzeugt wird, indem sie Blütennektar, andere Sekrete von lebenden Pflanzenteilen oder auf lebenden Pflanzen befindliche Sekrete von Insekten aufnehmen, durch körpereigene Sekrete bereichern und verändern, in Waben speichern und dort reifen lassen; ...

Also die deutliche Betonung des Lebenden, womit eine Abgrenzung zur Zufütterung von Zuckerwasser geschieht, die immer wieder vorgenommen wird in der Absicht, den Ertrag zu steigern. Bienen machen aus Zuckerlösung wieder Honig. In vielen sogenannten Billigproduktionsländern werden auf diese Weise große Mengen von Honig hergestellt und exportiert. Reiner Zuckerfütterungshonig kann leicht chemisch nachgewiesen werden, ein Gemisch von natürlichem und Zufütterungshonig macht es schwer. Manchmal wird auch braune Lebensmittelfarbe beigemischt, da der dunkle Waldhonig sich teurer verkaufen lässt als Blütenhonig. Und sogar das Strecken von Honig mit Mehl kommt vor.
Franz war in der Zuckerfrage sehr penibel. Zuckerwasser, sagte er, hat im Honig nichts zu suchen. Auch das Umhängen von alten Waben, das die Bienen veranlasst, Futterhonig, der auf eine zuckrige Lösung zurückgeht, in den Honigraum umzutragen, ist zu vermeiden. (...)
Was die Honigverordnung nicht ausreichend erfasste, weil das Thema damals noch nicht virulent war, sind die Rückstände von nicht biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln. Die Varroamilbe ist heute eines der wichtigsten Themen in der Imkerei. Die Rückstände lagern sich dauerhaft im Wachs an und geraten so in den Honig.




Zu früh geschleuderter Honig, der zu viel Wasser enthält, kann schon im Eimer anfangen zu gären. Kein Spaß zwar, aber Franz, der ohnehin mehr Honig hatte, als er verkaufen konnte, (...) machte Met. In großen Gärballons mit aufgesetzten, gezwirbelten Glasröhrchen. Er stellte jedes Jahr eine ziemliche Menge davon her und füllte das fertige Produkt in Cola/Fanta-Einliterflaschen ab. Die mit den roten festen Plastikschraubverschlüssen. (...) Verwandte, Freunde und Bekannte wurden angehalten, sie zu sammeln, und manchmal brachte ich ihm einen Karton voll. Natürlich bekam ich im Gegenzug fertigen Honigwein geschenkt. Ohne Etikett. Das Zeug schmeckte grauenhaft. Außerdem sah es nicht sehr vertrauenswürdig aus. Später entwickelte Franz ein kleines Etikett, indem er verschiedenste Anzeigen aus der Imkerzeitung zusammenschnipselte. Bezeichnungen und Bienenmotive. Er kopierte sie und fügte mithilfe eines Stempels seinen Namen hinzu. Und jedes Jahr gelang es ihm, seine Produktion loszuwerden. Einmal erzählte er von einem Bekannten im Rumänien der Fünfziger Jahre. Der Bekannte hatte aus Militärbeständen einen riesigen Posten vergammelter Marmelade übernommen. Sie sollte eigentlich weggeworfen werden, und jetzt brannte er in seiner Wohnung im fünften Stock daraus Schnaps. Mit Franz war es ähnlich. Es gab wenige solcher Sachen, die er nicht schon selbst gemacht hatte. Und wenn nicht er, dann Bekannte. Und wenn nicht Bekannte, dann wusste er genau, wie es geht. Und begann sofort auf der Rückseite von Blättern, die er nicht mehr brauchte, ausführliche Anleitungen zu zeichnen, die einen befähigten, alles nachzubauen. Und wenn wirklich etwas zugekauft werden musste, kannte er den Laden, der das billigste Angebot hatte.


Man kann an Honig herangehen wie an Wein. Das Handbuch unterscheidet bei den „grobsinnlich wahrnehmbaren Eigentümlichkeiten des Honigs“: Farbe, Konstistenz, Geschmack, Geruch. Die Farbe wird hoch bewertet, „da der Käufer im Laden den Honig im Glas nur mit dem Auge prüfen kann.“ Im Allgemeinen ist Frühjahrshonig heller als Herbsthonig, Blütenhonige sind heller als Honigtauhonige. „Ferner erscheint der Honig in flüssigem Zustande immer dunkler als in kristallisiertem.“ Truderinger Honig ist übrigens heller, als der aus dem Rosengarten, aber auch etwas zu süß, beinahe zuckrig. Anscheinend sind (...) würzige Honige, besondere Sorten aus Südeuropa, am beliebtesten. Stadthonig wird zunächst ablehnend wahrgenommen, Stadt und Honig, sagt man, passen nicht zusammen. Meine Erfahrung ist, dass das Bekenntnis zu einem Makel, der offensichtlich ist, zumal, wie sich mittlerweile zeigt, zu einem scheinbaren, eher anziehend wirkt.

wanzl


Über diese Ausstellung, obwohl sie wichtig war und gut dokumentiert ist, weiß ich nicht viel zu sagen. Sie war nach der Firma betitelt, die das von uns verwendete Regalsystem herstellt. Unser Professor hatte es geliehen, und es hieß schlicht: wanzl. Bei dem System handelt es sich um stehende runde Stahlstäbe, auf die Plastikkegel gesteckt werden. Und anschließend werden vergitterte Fachböden von oben her eingehängt. Ich fand das Ganze nur halbwegs praktisch, da ich mir beim Aufbau alle paar Minuten die Finger einzwickte. Und die Böden waren schließlich so verkeilt, dass der Abbau zu einer Kalamität wurde.
Die Ausstellung fand Anfang 1994 statt, das war das Jahr, in dem ich die Akademie verließ. Wir räumten den großen Klassenraum leer, in dem sonst gearbeitet wurde und stellten dort vier lange Regalreihen auf. Die Styroporzargen besaß ich zwar schon, aber ich setzte sie noch nicht im Freistand ein. Sie waren daher auch noch nicht mit brauner Schutzfarbe angestrichen. Sie kamen zunächst wegen ihres Schauwertes in Frage.


Fotos wanzl



Im folgenden Sommer legte ich das erste Staatsexamen ab und musste eine Reihe von Prüfung durchlaufen, etwa 15 Stück. Bei der Kunstgeschichteprüfung hatte der Dozent einen Beisitzer. Es war der ehemalige Kunstlehrer meiner damaligen Freundin. Er hatte anfangs des Jahres die Ausstellung wanzl mit seiner Frau besucht, einer Malerin, die aber krank schien. Als sie die Styroporkästen sah und ihren Zweck erfuhr, schlug sie sich entsetzt die Hand vor den Mund.