open source


Dieses Blatt ist mir wichtig und passt in den Zusammenhang, steht hier aber einzeln, da es Teil einer größeren Sammlung ist, die nichts mit den Bienen zu tun hat. Ab dem Jahr 2012 begann ich, den informatischen Austausch zwischen Bienen und Pflanzen oder zwischen ihnen untereinander, sogar zwischen den einzelnen Völkern an einem Stand und darüber hinaus, zu untersuchen. Augenscheinlich müssen Informationen hin und her gereicht werden, wenn sich Bienen und Pflanzen über den Zeitpunkt der täglichen Nektarabsonderung abstimmen und diesen möglicherweise verschieben, oder wenn die Pflanze die Nektarzusammensetzung ändert, damit die Bienen lieber kommen, oder die Dauer der jährlichen Blühperiode ausdehnt, manchmal um Wochen verlängert, wenn die Pflanze nicht ausreichend bestäubt ist. Auch die Pflanzen untereinander müssen sich in diesen Fällen verständigen. Mir fielen zahlreiche Formen ein, in denen sich Bienen austauschen. Ein prominentes Beispiel ist die von Karl von Frisch beschriebene Tanzsprache. Spannend wird es, wenn Völker untereinander kommunizieren. Sie tauschen genetische Informationen aus, indem die Königin des einen durch Drohnen aus anderen befruchtet wird. Oder wie kommt es, dass es übergreifend, meinetwegen in klimatisch ähnlichen Gegenden, ein Schwarmjahr geben kann, in dem sich Bienen häufig teilen, während in anderen Jahren absolute Stille herrscht? Auch dies muss auf eine gemeinsame Information zurück gehen.
Solche Geheimnisse versuchte ich zunächst zu sammeln, bevor ich ihnen auf den Grund gehen wollte. Doch dann blieb das Vorhaben stecken.

2013


Im Jahr 2013 begann die Blüherei wie üblich verfrüht. Die meisten werden sich bereits gewöhnt haben, dass die Zierkirschen ihre hauchdünnen Blütenblätter entfalten, obwohl es tagsüber kalt und windig ist und Nachtfröste fallen. Und ich frage mich, ob ich ein Anachronist bin, denn Jahr für Jahr reagiere ich gleich unverständig und nehme die entgleisten Blühzeiten, die den Bienen zu schaffen machen, persönlich. Die Fliederblüte beispielsweise ordne ich beharrlich dem Wonnemonat zu wie man sich das Eis unter den Eisbären denkt. Dennoch war ich gezwungen, einige bislang feststehende Umgangsweisen im Denken aufzuweichen und in der Handhabung zu ändern.
Im Mai 2013 regnete es beinahe durchgehend und eine weiß blühende Esskirsche, die unglaublich süße, fast schwarze Früchte hervor bringt, lieferte nur verfaulte Klumpen. Des Regens halber, mutmaßte ich, könnte alles nach hinten ins Jahr hinaus verschoben sein. Daher schleuderte ich zum ersten mal seit Anbeginn meiner Imkerlaufbahn Honig aus dem August. Er schmeckt etwas herber.

Mad Men


Im Magazin der Süddeutschen Zeitung stand ein Interview mit einem iranisch-amerikanischen Werbemann. Ich stempelte ihn wegen dieses Interviews, muss ich zugeben, für mich gleich als einen der Mad Men ab. Es gab eine amerikanische Fernsehserie mit diesem Titel und ich hatte die ersten beiden Staffeln der Serie, die Ende der Sechziger Jahre spielt, verfolgt und geschätzt. (Doch anschließend hatte ich das Interesse verloren.) Wenn jemand zu diesem Mann in sein New Yorker Büro kommt und nicht weiter weiß, gibt er einen Motivationsspruch aus: „Echte Kämpfer essen keinen Honig - sie kauen Bienen.“