Strukturformeln


Die Strukturformeln sind bisher nur provisorisch vorhanden, aber sie sind dennoch in die den Katalog aufgenommen. Sie machen im übrigen deutlich, wie eine Arbeit entsteht. Man nähert sich ihr im Krebsgang. Die assoziative Versammlung der englischen Ausdrücke, die Zucker in sich enthalten könnten, ist bereits vorhanden.






















 



Die Strukturformeln selbst liegen noch immer herum. Natürlich beziehen sie sich auf die verschiedenen Arten von Zucker, die im Nektar vorkommen. Manchmal hatte ich keine Zeit, mich ihnen zu widmen. Dann waren sie mir zu spröde. Meistens schnürte ich eine Weile um sie herum, wenn ich das Atelier betrat. Dann wandte ich mich Anderem zu.




Stadthonige


Eine Freundin sammelt verschiedensten Honig, nicht nur aus München, mit besonders einfallsreichen Etiketten. Der erwähnte Tresorhonig, den es nur in Berlin gibt, gehört dazu. Mittlerweile halten auf zahlreichen Dächern prominenter Münchner Gebäude, beispielsweise auf dem Gasteig oder der Oper jene Stadtimker, von denen bereits die Rede war, ihre Bienen. Sie stellen eigene Etiketten her und verkaufen den Honig. Darunter fällt Opernhonig, der auf dem Dach der Bayerischen Staatsoper geerntet wird. Die beiden Imker, die für die dortigen Bienen zuständig sind, gaben kürzlich eine Information heraus, wieviel Honig ihre vier Völker in diesem Jahr eingetragen hatten. Sie sagten, es seien etwas über 80 Gläser zu 250 Gramm gewesen. Das Jahr sei schlecht gewesen, gaben sie zu Protokoll, die Ernte habe 21 Kilo gebracht und so weiter. Das kann ich so nicht bestätigen, da ich selten so volle Honigräume hatte. Vor allem im Mai blühte die Robinie, die einen der höchsten Honigwerte aller Pflanzen hat, mindestens eine Woche. Den gesamten Juni hindurch blühten alle Sorten der Linde hintereinander durch, dazu noch deren Honigtautracht. Nur der Juli war mau. Eine Freundin, die im Akademiegarten (!) zwei Völker hält, erntete 90 Kilo. Nur der Juli, wie gesagt ...
Meine Vermutung ist natürlich gewagt: Leider haben diese Herren zu sehr im Sinn, auf die Bienenproblematik aufmerksam zu machen und es kann sein, sie kümmern sich zu wenig um die Bienenhaltung. Die beiden Imker auf dem Dach des Opernhauses gaben weiter ein Statement zur Situation des Imkerns sowohl auf dem Land als auch in der Stadt ab. Sie sehen ebenfalls das Problem, dass viele Stadtimker jetzt auf einen Zug aufspringen, aber eine vernünftige Ausbildung vernachlässigen und im Herbst womöglich bezüglich der Milbe Schindluder treiben.




Übrigens gibt es bei der Polizei, soweit ich weiß in der Ettstraße, ebenfalls einen Imker auf dem Dach. (Vermutlich ist er selbst Polizist, da ich kaum glaube, dass die Burschen einen Fremden auf ihr Dach lassen würden.) Von dort stammen Gläser mit dem Etikett: Polizeibienenhonig.

Ich kann nicht alle aufzählen, die sich hier hervortun. Jeder führt da sein eigenes Etikett oder bosselt sich eins zusammen, wie Franz es tat, aus bereits Bestehendem, und zurecht, allerdings bin ich kein Sammler. Kürzlich sah ich das Etikett eines Imkers, der in einer nahen Kleingartenanlage Bienen hält. Er hatte ein Etikett aquarelliert und den Begriff Stadthonig übernommen, und es sah dermaßen windig aus. Über den Polizeihonig muss ich jedoch sagen: saugut, saulustig.




Bienenfrevel


Vermutlich spätabends am 19. April 2016 wurden zwei meiner Bienenstöcke ins Wasser geschubst. Am folgenden Morgen wurde ich von einer Email, die mich von einem Mitglied der Platform Stadtimker erreichte, darauf aufmerksam gemacht, wo sie lagen. Ein kleiner, langsamer Bach dümpelt unterhalb des Fluglochs an den Bienen vorbei. Die Stöcke waren unterhalb einer Brücke angelandet. Dort muss der Bach eine kleine Steinhürde überwinden. In einem der beiden Kästen befand sich ein Ableger, der auf einer Zarger saß. Das bedeutet, dass die Grundfläche größer ist, als die Höhe, und er schwamm ruhig dahin. Zwar waren die Waben im Inneren geneigt, er musste also einen heftigen seitlichen Stoß bekommen haben, aber sonst hatte sich nichts bewegt. Wirklich in Mitleidenschaft gezogen worden war ein Zweiraumvolk. In dieser Größe und Stärke überwintere ich meine Bienen gewöhnlich. Der ganze Stock war gekippt und teilweise mit Wasser vollgelaufen. Dadurch war ein Haufen Bienen sofort an Unterkühlung gestorben. Sie hatten sich nicht mehr in Sicherheit bringen können. Dennoch stellte ich fest, dass in beiden Fällen die Königin überlebt hatte. Das zweiräumige Volk brauchte etwa einen Monat, bis ich es wieder seiner ursprünglichen Stärke zugeführt hatte. Es war stärker betroffen. Dennoch hielt sich der Schaden verhältnismäßig in Grenzen.




Nachdem ich die Kästen untersucht und wieder an ihre ursprünglichen Plätze am Stand postiert hatte, rief ich umgehend alle Münchener Zeitungen an. Sie zeigten sofort Interesse. Die TZ schickte binnen einer halben Stunde einen Fotografen. Der dort gedruckte Bericht schaffte es sogar in die sozialen Medien, wo ein Freund, der 350 km entfernt wohnt, die Nachricht innerhalb von Minuten nach dem Versenden erhielt. Die Entrüstung im Netz war groß, manche Kommentare vernichtend.
Vor Jahren war mir ein ähnlicher Fall bereits passiert, da war ein 9-Waben-Volk, das auf zwei Etagen saß und noch leichter kippte, ins Wasser gestoßen worden. Das lag vor der der Zeit, als der Bach mit Rundungen und Untiefen ausgestattet ein Spielparadies für kleine Kinder geworden war. Der Stock hing an einem Wehr am Ende des Rosengartens, dort wo der Aenbach unter dem Schyrenbad, einem Freibad verschwindet, die Humboldtstraße unterquert und auf der gegenüber liegenden Seite in einem kleinen Park wieder empor tritt. In jenem Fall, dem ich kein Jahr zuordnen kann, waren die Bienen allesamt dahin gerafft. asEs war 100 Gramm pro Quadratmeter schwer, glatt, nicht gestrichen und nur knapp dicker als unser gewöhnliches weißes Kopierpapier. Man konnte ohne weiteres auch einen Kopierer mit Bodonia füttern. Dennoch verwendete ich es kaum für diesen Zweck. Das Fliederquartier bestand damals noch. Ich stellte den Kasten in die Sonne in der Hoffnung, er würde trocknen, was aber nicht der Fall war. Dann packte ich die mittlerweile verschimmelten Waben, stülpte sie in blaue Abfalltüten und warf sie in den Container. Den Kasten versuchte ich, so gut es ging, zu reinigen. Ein Jahr später setzte ich ihn wieder ein. Seltsamerweise, das fiel mir im Nachhinei auf, waren zunächst sechs Stöcke am Stand, und der mit den neun Waben trug als einziger nicht die Aufschrift apicultura auf der Rückseite. Aber das mochte nichts bedeuten.
Im Jahr 2016 erwischte ich einen Praktikanten bei der Süddeutsche Zeitung. Er fragte nach einem Bild, aber ich konnte ihm natürlich keins schicken. Am liebsten, das bekam ich schnell zu verstehen, vor allem auch von der TZ, wäre ihnen ein Foto mit den Stöcken im Wasser gewesen. Aber wer geht so vor, fragte ich mich, und schießt erst ein Foto, bevor er seine Bienen birgt? Die SZ brachte also kein Bild, jedoch einen schmalen Absatz, und der zuständige Redakteur, vielleicht ein Rookie, fragte mir ein Loch in den Bauch. Danach standen aber doch falsche Angaben bezüglich der gestorben Bienen zu lesen.
Auch bei der Polizei war ich gewesen, natürlich um Anzeige zu erstatten. Sie schickten mich zuerst einmal hinaus, da draußen ein warmer Frühsommertag war und es sich dort leichter warten ließ, während drinnen eine Familie in erster Reihe saß. Nach einer Dreiviertelstunde riefen sie mich herein und erst ein ganz junger Beamter, der später von einem älteren abgelöst wurde, nahmen meine Aussage auf. Sie fragten nach so unglaublich vielen Belangen, auch ganz bienenfremdem, dass schließlich zwei DIN A 4 Seiten daraus wurden, die ich unterschreiben sollte. Kurz bevor ich ging, eröffneten sie mir, dass meine Anzeige höchstwahrscheinlich nutzlos sein würde, da die Wahrscheinlichkeit, einen Täter zu fassen, kaum bestand. Ich schaute mir den Burschen genau an. Er war höchstens 22 oder 23 Jahre alt und trug bereits eine Waffe. Ich war versucht, ihn zu fragen, ob das eine österreichische Glock sei, die er da trug und ob die Munition aus 9 mm-Patronen bestand, und ob das die Standardbewaffnung sei oder ob sie nur in dieser Dienststelle welche trügen. Aber dadurch, dachte ich, hätte ich nur Misstrauen ausgelöst und die Rolle des armen, um seine Bienen gebrachten Imkers verspielt.

bienenbox - bienenkiste


Sowohl die Bienenbox, als auch die Bienenkiste sind Lagerbeuten. Auf die Geschichte dieser Kastenform und ihr allmähliches Verschwinden muss ich nicht eingehen. Das lässt sich im Lexikon der Bienenkunde nachlesen. Das Problem an den Lagerbeuten liegt auf der Hand: Sie lassen zwar eine Begrenzung des Volkes, aber keine Erweiterung zu. Zwar falle ich nicht unter die Kategorien Berufsimker oder Nebenerwerbsimker, sondern die Größe meines Standes erklärt mich zum Hobbyimker. Allerdings halte ich seit 25 Jahren in München im öffentlichen und im städtischen Raum Bienen. Daher möchte mein Unbehagen bezüglich Bienenbox und Bienenkiste zum Ausdruck bringen. Mich befremdet, dass eine Beutenform, die Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts eingestampft wurde und nur noch in bestimmten Regionen länger existierte, heute aus dem Hut gezaubert wird, als sei sie der neueste Einfall. Zwar unterscheiden sich die beiden Organisationen und deren Motivationen, die zur Wiedererweckung der Lagerbeute geführt haben, aber in bedeutenden Punkten ähneln sie sich doch. Der Wichtigste ist, dass sie Jungimkern anbieten, Bienen zu halten. Womöglich werden sich manche in absehbarer Zeit besinnen und auf Magazinbeuten umsteigen. Die Lagerbeute wird für sie mutmaßlich ein Zwischenstadium bleiben. Diese Entwürfe ebnen möglicherweise für einige, die bei der Haltung und Pflege der Biene verbleiben wollen, den Weg. Doch ein erheblicher Teil an Jungimkern wird von diesem Zug wieder abspringen. Für diese Leute ist es ein hype, der eines Tages erlischt. Hätte ich nicht die Kunst gehabt, die stets neue Themen einfordert, wäre es mir womöglich gleich ergangen. Mit der Haltung eines Gartens war ich ja schon auf Grund gelaufen.
Die Bienenkiste beispielsweise ist im Warmbau augenblicklich für das Kuntzschmaß im Hochformat ausgelegt. Ich kenne Imker, die davon nie gehört haben. In der Bienenbox wiederum, die der Bienenkiste weitgehend gleicht, soll „wesensgemäß“ geimkert werden. Soweit ich weiß, ist das ein Ausdruck aus der Anthroposophie. Dort versucht man aber, den rechten Winkel zu vermeiden, was sich mit der Kiste nicht verträgt. Der Brutbereich in der Bienenbox, wie er auf der mellifera-Seite vorgestellt wird, ähnelt dem Wildbau in Körben. Wie ich entdecken konnte, gibt es hier einige Variationen, beispielsweise mit Absperrgitter für den Honigraum (was gewiss nicht erlaubt ist). Die Brutwaben werden schnell dunkelbraun und man fragt sich natürlich, wie sie später erneuert werden sollen.
Welche Behandlung gegen die Milbe für die Bienenbox vorgesehen ist, weiß ich nicht. Das halte ich für das ernsthafte hygienische Problem. Ob nun viel oder wenig Honig geerntet wird, ob geschleudert wird oder man altmodisch quetscht, sind Fragen, mit denen sich die Bienenhalter herum zu schlagen haben. Unverantworlich finde ich, im urbanen Raum Bienen zu halten, solange man nicht ein Mindestmaß an Kenntnissen und einen Betreuer hat, den man wenigstens anrufen kann, wenn man nicht weiter weiß. Als gänzlich unerfahrener Bienenhalter gefährdet man nicht nur Anwohner. Man sollte auch wissen, welche Imker in der Nähe ihre Stände betreiben. Auf der Internetseite der Stadtimker wird versprochen, dass man für die Bienenhaltung nur 20 Stunden pro Jahr aufzuwenden braucht. Das beispielsweise halte ich für absurd. Damit gewöhnt man sich an, nicht an die Umwelt zu denken, während man davon ausgeht, besonders viel für die sogenannte Natur zu tun. Wenn die Bienen jedoch an der Milbe eingehen, ruiniert man nicht nur das eigene Völkchen.
Die Bienenkiste bietet zur Varroabehandlung einen Verdunster für Ameisensäure an, der in ein Rähmchen montiert ist. Die Ameisensäure soll auf das Holz tropfen. Es gibt kein Tuch als Unterlage und keine Plastikfolie unter dem Tuch, damit das langsame „Anfahren“ der Verdunstung gegeben ist. Der Verdunster steht als Einzelwabe mitten im Warmbau, so dass fraglich ist, ob die äußeren Waben erreicht werden. Den Jungimkern werden einzelne Kurse angeboten. Daran können sie teilnehmen oder nicht.
Als ich anfing, Bienen zu halten, richtete Franz einen Großteil meines Lernens sofort auf den Anfang des neuen Bienenjahres (am 1. August) und die Notwendigkeit der Varroabehandlung. Ich lernte, während des Sommers Drohnenwaben auszuschneiden. Franz betonte, wie wichtig die Varroabehandlung für alle Imker ist. Denn ein mit Milben durchseuchtes Volk hat ein hohes Potential an Rückinfektion für Völker, die in der Nähe stehen. Wer nicht oder zu wenig behandelt, gefährdet andere im Umkreis. Gewöhnlich kennt man die (ernsthaften) Imker in der näheren Umgebung. Das Problem sind daher nicht diejenigen, die eine solide Behandlung gegen die Milbe durchführen, sondern solche, die auf halbem Weg aufgeben, denen die Kosten für die Kurse und das erforderliche Material zu hoch werden und die ihre Völker einfach verwaisen lassen.

(Vor kurzem schrieb ich einen bissigen Beitrag im anthroposophischen Forum „mellifera“. Diese Leute vetreiben die Bienenbox. Meine Absicht war selbstverständlich, die Diskussion auf das Milbenthema zu lenken, anstatt sich zu beweihräuchern. Der Beitrag wurde intern geprüft und gelöscht.)

Erbe


Franz überließ mir im Lauf der Jahre eine Reihe von Kästen. Sie waren alle auf das Zandermaß ausgelegt und bestanden meistens aus einfachen Brettern, die zusammen genagelt waren. Die Böden und Deckel waren löchrig und im Vergleich zu den Seiten mit noch weniger Aufwand hergestellt. Den Deckel beispielsweise bildete in der Regel ein Brett, auf den eine zweite, dünne Holzplatte, durch deren Anwesenheit sich ein Falz ergab, mit ein paar Nägelchen festgeheftet und aufgeleimt war. Das machte es schwer, die Kästen ohne eine schützende Eindeckung, beispielsweise eine Aluhülle darüber, im Freistand einzusetzen. Im Sommer ging es gerade noch hin, doch nach zwei Jahren waren sie herunter gewirtschaftet wie ein alter Ackergaul. Für den Winter musste man die Bienen in eine wetterfeste Beute umsiedeln. Im Grunde waren diese Kästen natürlich für ein Imkern im Bienenhaus ausgelegt und für Franz passten sie nicht mehr zum Rest. Er sonderte sie aus, da er auf Einheitlichkeit bedacht war. Überhaupt warf er ständig etwas weg. Ich wusste manchmal nicht, wo in seinem Herzen das sentimentale Festhalten angebracht war. Franz war sozusagen ein Zen-Lehrer, der auf dem Weg zu den Bienen an der Mülltonne vorbeigeht. Bevor er die Kästen also zerschlug, nahm ich sie eben. Besonders empfindlich sind natürlich solche aus mitteldichter Faserplatte. Der zweistöckige Ablegerkasten ist ein Beispiel. Franz hatte natürlich alles mit Abtönfarbe angepinselt und dadurch leidlich geschützt. Aber die Ecken und Kanten sind bestoßen, und die Platten saugen sich mit Feuchtigkeit voll und geben sie ab, fast wie ein Schwamm.
Für sein Bienenhaus hatte Franz etwa 50 einzelne Zargen gebaut. Die passten alle zueinander. Und die Böden und Deckel waren mit Finesse geschreinert. Die Seitenteile bestanden innen aus dünnen Hartfaserplatten. Als nächste, unsichtbare Schicht liefen offenbar hölzerne Verstrebungen, ein Gerüst aus Fichtenholz. In die freien Räume hatte er passgenau Platten aus Styropor gefügt. Außen dann saßen Weichfaserplatten. Auf den Falzen, wo man mit dem Stockmeißel hineinfährt, lagen Streifen harter Buche. Seitlich waren die Kästen ganz glatt gehalten, damit man sie im Winter aneinander rutschen konnte. Vorne und hinten saßen je ein aufgeschraubter Eisengriff, jedoch klappbar und mit barock geschwungener Grundplatte. Offenbar verliefen darunter hölzerne Streben. Die Griffe, ehrlich gesagt, bildeten den Traum jedes Eisenwarenhändlers. Diese Kästen waren in Hellbraun gestrichen.
Im Haupthaus imkerte Franz überschlagsweise mit 15 Völkern, die im Winter auf zwei und im Sommer, zur Honigernte, auf drei Etagen saßen. Was dann noch übrig blieb, war als Reserve gedacht.
Weiter besaß Franz zwei Unterstände und dafür Styroporkästen. Die waren zugekauft und bestanden aus dem System „Spessartbeute“, und er pinselte sie in dunklem Braun an. Das ergab nochmal etwa 10 Völker. Überhaupt diese Streicherei mit Abtönfarbe, sie war sein Merkmal. Es war, als wolle er einen Vorbildlichkeitswettbewerb gewinnen. Nicht nur waren ja alle Bienenkästen gleich gestrichen, sondern auch alle hölzernen Flächen innen und außen. (Zusätzlich ging ihm nie die Arbeit aus.) Als einzige bunt übrigens waren die Anflughilfen für die Bienen. In seinem neuen Bienenhaus, das er gegen Ende zu besaß und wo er seine Nachmittage verbrachte, baute er viel um. Dort sah ich zum ersten mal, dass er, um Gerätschaften zu verbergen, einen Vorhang genäht hatte. Darauf liefen, in endloser Reihe, dunkelblaue Elefanten dahin.


Übrigens besuchten wir einmal, als wir uns bei ihm draußen im Schweizerholz aufhielten, den Lehrbienenstand in Hochmutting. Eigentlich hatte ich darauf gedrängt. Denn wir mussten dazu nur über einen Acker stapfen und über einen Zaun linsen. Der Platz war ordentlich, sehr aufgeräumt, aber farblos. Die Kästen waren in stumpfem, dunklem Militärgrün gestrichen. Das berührte mich unangenehm. Es hielt sich niemand dort auf, aber Franz wurde unruhig, er scheute den Kontakt mit Personen, die in entsprechenden Vereinen oder dem Imkerverband organisiert waren.



Während ich an einer Vereinheitlichung aller Kästen arbeite, jeder soll beliebig mit den anderen kombinierbar sein, trennte Franz die älteren Kästen, die er selbst gebaut hatte, von den neuen, die er gekauft hatte. Sie passten daher auch nicht zusammen. Es waren zwei unabhängige Systeme oder Kreisläufe. Deshalb vermutlich sonderte er alle weiteren Formen aus. Für mich sind diese Kästen, die ich von ihm bekommen habe, Erinnerungsstücke. Sie helfen mir, Franz im Sinn zu behalten. Insbesondere den bunten Ablegerkasten, obwohl er ja auf den Aspekt der Nützlichkeit hin gebaut ist und ich selbst daran noch herum gedoktert habe, sehe ich eher als folkloristisches Stück.
Der Ablegerkasten ist mit einem breiten, mehrfach gefalteten Zeitungsstreifen umwickelt. Er hält die beiden Teile zusammen. Der darauf gestempelte Satz stammt aus den Pisaner Cantos von Ezra Pound:

What thou lov´st well
       is thy true heritage

clover leaves


clover leaf bedeutet im Englischen Kleeblatt. Die Arbeit umfasst sechs ganzseitig gestempelte Blätter aus Finnegans Wake. Das Papier, auf dem ich stempelte, war in seiner Proportion um den Faktor 4,3 vergrößert, damit es zu meiner Schrifttype, einer Times in der Versalhöhe von 10 mm passte. Die Papiermaße betrugen am Ende 96 cm mal 60 cm. Ich wollte gern eine Serifenschrift, da sie bei Büchern üblich ist. Wikipedia weiß: „Als Serife bezeichnet man die (mehr oder weniger) feine Linie, die einen Buchstabenstrich am Ende, quer zu seiner Grundrichtung, abschließt.“ Die Times New Roman wird häufig von Zeitungen verwendet. Zur Times weiß es außerdem, sie sei „robust, klar und einfach lesbar, sowie im Platzverbrauch ökonomisch“. Daher sei sie „für schmalspaltige Texte besonders geeignet.“
In der gestempelten Arbeit kommt pro Seite einmal das Wort clover vor.


Es entspricht der Regel, dass der Klee in der Natur drei Grundblätter hat. Er gehört zur Gattung Trifolium. Wikipedia in seinem unbeholfenen Deutsch weiß erneut: „Alle Laubblätter sind scheinbar grundständig, aufgrund der liegenden Sprossachse, angeordnet und in Blattstiel sowie Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist bis zu 20 Zentimeter lang. Die Blattspreiten sind dreizählig gefingert. Die Blattfiedern sind bei einer Länge von meist 1 bis 2,5, selten bis 4 Zentimetern ein- bis zweimal so lang wie breit und breit-elliptisch bis verkehrt eiförmig mit gestutztem oder schwach ausgerandetem oberen Ende. Der Blattrand ist fein gezähnt.“ An der Unterseite sind die Laubblätter des weißen Klees, der bei uns ausdauernd und unverwüstlich auf den Wiesen wächst, glatt, und seine Blüten duften nach Nektar. In Sizilien pflanzte man bis vor einigen Jahren einen lippenstiftroten Klee an, der ganze Felder zum Leuchten brachte. Ich vermute, es ist der sogenannte Inkarnatklee, dessen Blütenstand länglich und purpurrot ist. Man nennt ihn dort sulla und er duftet nach Honig. Ausgewildert leuchtet er an Straßenrändern. Für die Bienen ist er eine hervorragende Trachtpflanze. Auf Feldern angebaut, wird er als Futterpflanze verarbeitet.




Das vierblättrige Kleeblatt ist mit „Glück“ oder „Christentum“ verbunden. Beispielsweise in einem Schulbuch gepresst, soll es zu guten Noten verhelfen und unterm Kopfkissen soll es Albträume vertreiben. In meiner Kindheit besaß ich ein Buch mit Geschichten über Ignaz Kupferdach, der sich nur umzudrehen und zu bücken brauchte, schon hatte er eines abgezupft. Das Buch ist heute vergriffen. Das Vierblättrige Kleeblatt stellt in der Draufsicht ein Kreuz nach und kommt damit in Verbindung mit St. Patrick, einem Nationalheiligen Irlands. Manchmal wird es mit dunkelrotem Saftmal dargestellt und es gilt als Irlands nebenberufliches Wahrzeichen. Es prangt übergroß auf der Verpackung einer gelblichen Butter. Hauptsächlich jedoch wird die Harfe verwendet. (Joyce hatte sich mit 16 Jahren, als er an einem Jesuitencollege unterrichtet wurde, vom Christentum abgewendet. Aber er blieb lebenslang darin bewandert. Und schließlich ist er einer der bedeutendsten Barden Irlands.) Die irländische Harfe findet sich heute auf der Rückseite der Euromünzen. Vor dessen Einführung war die Vorderseite mit der Harfe bestückt, die Rückseite mit verschiedensten Tieren: Stiere, Wale, Hühner, der Viertelpenny mit einem herabschießendem Vogel mit langem Schnabel, es gab Schweine, einen Hirsch und so weiter.




Die sechs Blätter der clover leaves sind gerahmt und hängen nebeneinander. Das letzte Blatt stempelte ich am 7. Januar 2016, daher gehört die Arbeit zum größeren Teil ins Jahr 2015.