Die Tasche



Zu sehen ist eine goldene Tragetasche aus beinahe kartonstarkem Papier, wie man sie in sogenannten besseren Läden zum Verstauen des Einkaufes geschenkt bekommt. Das kopierte Bienenmotiv ist oberflächenbündig in das Papier der Tüte eingelegt. Das Ganze ist eine Intarsie, eine je nach Motiv ziemlich kleinteilige und mühsame Einlegearbeit. Das Motiv wird entlang der Bildkontur ausgeschnitten und von hinten eingeklebt. Es ist ein bilderzeugendes Verfahren, mit dem ich häufig arbeite.
Das Objekt ist in Auflage hergestellt.

Bienenrassen


Kärntnerbiene und Ligurische Biene

Bei uns heimisch ist die Carnica-Biene. Sie hat einen gleichmäßig dunkelbraunen Hinterleib. Viele Imker bevorzugen sie schon aus Patriotismus. „Welche Bienenrasse haben Sie?“, fragen sie streng. Wenn man antwortet: „Carnica“, nicken sie befriedigt. Aber man kann auch sagen: „keine Ahnung.“ Dann ist man durchgefallen. Ein gutes Mittel, um weiterer Inquisition aus dem
Weg zu gehen.
Beim sogenannten Hochzeitsflug wird eine Königin von mehreren Drohnen begattet. Sie lagert die unterschiedlichen Samen schichtweise in einer Blase. Bei der Eiablage werden die Schichten wieder abgetragen. (...) Manche Grundeigenschaften eines Volkes können sich dadurch verändern. So wird vielleicht aus einem sanftmütigen Volk ein stichliges. Oder umgekehrt. Manchmal schlägt eines meiner Völker um und ich bekomme mehrheitlich Bienen mit hellgelben Hinterleibsringen. Sie sind sehr sanft. Franz sagte, es sei die Italiener-Biene. Apis mellifera ligustica. (...) Das Handbuch sagt: „(Die Ligustica) ist, von der gelben Panzerfärbung abgesehen, der Carnica sehr ähnlich.“ Jedoch ist ihr Rüssel länger, 6,4 mm bis 6,7 mm. Das befähigt sie, bestimmte Pflanzen zu befliegen, an der die Carnica scheitert, beispielsweise den Rotklee, dessen Nektar tief in den Blütenhülsen liegt und nur bei gleichmäßig warmfeuchter Witterung langsam aufsteigt.
Im Handbuch der Bienenkunde sind Haltung und Zucht als zwei Abteilungen in einem Band zusammengefasst. Manchmal treten die Leute an meinen Stand und sagen forsch: „Aha, da ist er ja, der Bienenzüchter. Wie gehts unsern Schützlingen denn heut?“ Das Handbuch sagt in der Vorrede zum Zuchtabschnitt: „Unter Zucht verstand man seither sowohl die Haltung und Pflege der Biene wie auch das Erhalten ihres Fortbestandes. Heute hat sich der Begriff gewandelt. Bienenhaltung und -pflege meint man meist nicht mehr damit.“ Wenn ich gut aufgelegt bin, erkläre ich den Leuten, was der Unterschied ist.


Heidebiene, Caucasica

In der Lüneburger Heide kommt eine eigene Biene zum Einsatz. Sie ist für die krautigen Heidegewächse besser geeignet, heißt es. Genauso, wenn man nach Nord-, Mittel- oder Ostdeutschland reist, erfährt man von dort bevorzugten Rassen.



Buckfastbiene

Wenn man über die Bienenzucht spricht, finde ich, drängt sich die Buckfastbiene in den Vordergrund. Sie unterscheidet sich von den anderen, weil sie eine sogenannte Kunstrasse ist. Das heißt, sie wäre von selber in der Natur nicht entstanden. Eine Zeit lang war die Buckfastbiene sehr in Mode. Erschaffen wurde sie (...) im Laufe des Zwanzigsten Jahrhunderts von Bruder Adam, einem in Deutschland geborenen Benediktinermönch, der im englischen Kloster Buckfast lebte und dort eine riesige Imkerei aufbaute. Es scheint, der ganze Schöpfungsmythos der katholischen Kirche kulminiert in dieser Biene. Bruder Adam reiste bis ins hohe Alter in der Welt herum und sammelte Bienenrassen, die er mit nach England nahm. (...) Auf Kreta, heißt es, entdeckte er sogar eine Biene, die er als eigene Rasse identifizierte. Sie wurde nach ihm benannt: apis mellifera adami. So machen sie es in der Wissenschaft.
Die Reinerbigkeit der Buckfastbiene wird von Kritikern bezweifelt. Allerdings ist sie ja züchterisch anders aufgebaut. Das Verfahren bezeichnete man als Dynamische Zucht. Bruder Adam kreuzte immer neue Bienenrassen, die er im Laufe seines Lebens in aller Welt aufgestöbert hatte, seiner Biene ein. Natürlich durch Auslese der gewünschten Eigenschaften. work in progress. Im Gegensatz zur Reinzucht, deren Ziel Rassenerhalt und eine in ihrem äußeren Erscheinungsbild einheitliche Form sind. Die Buckfastzucht verfährt nach der Bewertung der Volkseigenschaften. Die einzelnen Bienen eines Volkes können uneinheitliche Körpermerkmale aufweisen.
Nach dem Ausscheiden von Bruder Adam aus der Imkerei legte einer seiner Schüler eine Genanalyse der Buckfastbiene vor. An diesem Profil wird heute gemessen. Der jahrzehntelange Entwicklungsprozess, der die Besonderheit ausmachte, wurde eingefroren.
Franz kaufte einmal eine Buckfastkönigin. Sie kostete damals 50 DM. Er wollte es wissen. Sie kam mit der Post, in einem kleinen Käfig mit Pflegebienen. „Und?“, fragte ich ihn, nach einem Vierteljahr etwa. „Auch nicht anders“, sagte er. Damit war das Thema vom Tisch. Zucht war nicht unser Geschäft. Mit der Buckfast, hieß es auf der Internetseite www.buckfast.de arbeiteten (...) viele Erwerbsimker. (Das sei der Beweis für ihre außerordentliche Tauglichkeit.) Dennoch, ihre Konjunktur lief ein wenig aus. In der Zeitschrift Imkerfreund, September 2003, wurden von einer Firma sechs verschiedene Bienenrassen angeboten, in vier aufsteigenden Preiskategorien. Die Buckfast war weit abgeschlagen und stand nur noch an vierter Stelle. Gemeinsam mit der Italienischen Biene.


Primorskibiene

Damals stieg die Primorskibiene kurzfristig zum Spitzenreiter auf. In der teuersten Ausführung kostete eine befruchtete Königin 750 Euro. Im Internet recherchierte ich (...) unter primorski, denn die meisten Bienenrassen sind nach ihrer (...) Herkunftsgegend benannt (...). Das Primorski-Gebiet liegt an der ostsibirischen Pazifikküste. In der Region um Wladiwostok. Auf Russisch schreibt es sich mit ij am Ende. Für die Amerikaner ist es primorsky und wir haben uns verständigt auf Primorski.
Eine Erfolgsgeschichte amerikanischer Prägung liest sich unter: Die Primorskistory. Verfasst von zwei amerikanischen Züchtern. Von anderswoher stammend, ich glaube aus der Ukraine, sei die Biene Ende des Neunzehnten Jahrhunderts mit Siedlern Richtung Primorski gewandert und habe sich als westliche Biene mit der asiatischen Biene apis cerana gepaart. Die ist der natürliche Wirt der Varroa-Milbe. Im Laufe eines Jahrhunderts habe sie selbständig gelernt, mit der Milbe umzugehen. Aus dem Primorskij-Gebiet wurde sie unter allerstrengsten seuchenhygienischen Sicherheitsbestimmungen und nach monatelanger Quarantäne auf einer Insel angesiedelt, die dem nordamerikanischen Festland östlich vorgelagert ist. Dort wurde sie in Reinzucht vermehrt. Unter Verbesserung bestimmter Eigenschaften, versteht sich. Und dann kam sie zurück. Quasi als gemachter Mann. Denn sie springe unduldsam mit der Varroa-Milbe um. Vor allem nach der Trachtzeit kümmere sie sich offensiv um die Beseitigung des Schädlings. Und im Frühjahr, wenn man den Stock öffne, seien die Milben niedergemacht.
Sie konnte das aus Gründen, die ich nicht verstanden habe. In der Beschreibung klang es obskur, eine Art black-box-Prinzip. Was drinnen im Stock passierte, ließen die dortigen Züchter, die natürlich Geld verdienen wollten, wohlweislich im Dunklen. Vielleicht ist sie gelenkiger (...). Oder sozialer, so dass die Bienen sich gegenseitig putzen. Das könnte sie von der östlichen Biene haben, der diese Eigenschaften bescheinigt sind. Ob aber wirklich eine Kreuzung stattgefunden hatte? Ich weiß nicht. Jedenfalls gab es seit einiger Zeit Rückimporte aus den USA. Im Jahr 2001 kostete eine befruchtete Königin der Primorsky-Biene 1000 $. (...) Es gab auch eine Vereinigung der Primorski-Imker. Die stimmte ein Hohelied an auf den Neuen Stern am Himmel der Bienenzucht. Erster FC Primorski. Vor allem waren viele Bioimker darunter. Was sich nur mit dem ersehnten Wegfall der Schädlingsbekämpfungsmittel begründen ließ, der da in Aussicht stand. Sie wurden von all dem so optimistisch gestimmt, dass für sie „die Zeit nach der Varroa bereits begonnen hat.“
Um all das unter die Lupe zu nehmen, stellten die Bayerischen Prüfhöfe, im Rahmen eines Kooperationsprojekts von fünf deutschen Bienenforschungseinrichtungen, im Jahr 2002 Vergleichsforschungsreihen an. Und waren nicht begeistert. Denn sie diagnostizierten eine „signifikant schlechtere Honigleistung reiner Primorski- Linien“. Plus eine schlechte Anbrütphase im Frühjahr. Schließlich „keine (...) Unterschiede im Merkmal Varroa“ zu Carnica- und Buckfastherkünften. Und dann auch noch stichlig. Zum selben Ergebnis kam die Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung e.V.. Das Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e.V. setzte sogar Infrarot-Video-Technik ein, um den dunklen Vorgängen auf die Spur zu kommen. Etwas ausgiebigeres Putzverhalten, sagten sie. Aber dennoch lautete das Fazit: „In Übereinstimmung mit den Ergebnissen einer niederländischen Arbeitsgruppe zeigt der Vergleich nicht den geringsten Hinweis auf eine Überlegenheit der Primorski Bienen hinsichtlich dieses Merkmals (Varroa).“ Im Übrigen bekam der Transport aus den USA den meisten Königinnen schlecht. Dreiviertel gingen unterwegs ein oder waren beschädigt.
Die Züchter hingegen fragten entrüstet: Wie kann es möglich sein, dass derart sensationelle Meldungen von den Bieneninstituten in Deutschland nicht wahrgenommen werden... ? Dem deutschen Pimorski-Pionier wurde von einigen Einrichtungen sogar beschieden, (...) dass er auf jeden Fall die Finger davon lassen solle. (...) Obwohl (...) die Qualität der primorsky in den USA wissenschaftlich belegt sei.

The queen is not amused.