Erika Mayr


Erika Mayr ist eine Berliner Stadtimkerin, die aus der Oberpfalz stammt, und auf dem Dach einer ehemaligen Fabrik einige Völker hielt. Sie hatte auch einen Imkerpaten gefunden, einen alten Mann, der sie mit Bienen versorgte und ihr beibrachte, was er wusste. Von ihr stammt das unglaublich lustige Etikett mit dem Titel „Tresorhonig“, das mich sofort an Dagobert Duck erinnerte. Ich weiß nicht mehr genau, wie sie auf meinen Namen gekommen war oder ich auf ihren, jedenfalls schrieben wir uns eine Weile Mails hin und her. Dann schlief die Konversation leider ein. Sie war mehrfach im Fernsehen und ich fand die Art, wie sie die Imkerei betrieb, ziemlich erfrischend. Etwa Anfang des Jahres 2013 beispielsweise war sie in eine Talkshow eingeladen. Mit in der Runde von Gästen, die alle gemütlich zurückgelehnt auf Sofas und Sesseln fläzten, war Henning Baum, der in einer Fernsehserie einen Polizisten aus dem Ruhrpott spielt. Ich verstand überhaupt nicht, welchen Zusammenhang es zwischen den Gästen gab, jedenfalls war er nicht politisch. Erika, als sie zu Wort kam, stand auf und stülpte dem Moderator einen Schleier und das zugehörige, mit einem Reißverschluss daran befestigte Hemd über. Sie sagte ihm sinngemäß, er solle das mal anprobieren. Dann verteilte sie Löffel, die sie mitgebracht hatte, und öffnete einige ihrer Honiggläser und ließ die Gäste der Runde probieren und forderte sie auf, zu ergründen, welche Pflanzen sie aus dem Honig heraus schmecken konnten. Henning Baum lag nahe dran. Der Moderator war indessen völlig außer Betrieb, da er einige Minuten nicht mehr aus dem Schleier und dem Oberteil heraus fand. Er zappelte und wand sich. Als er dann wieder zur Gruppe zurück gefunden hatte, war das Ereignis bereits gelaufen.




Erika erzählte von einem Berliner Imker, der sich für eine eigene Zuchtlinie eingesetzt hatte, eine Biene, die sanftmütig und leistungsstark sein soll. Die war bis nach Polen exportiert worden. Man hatte sie matka berlinska genannt.