Imkerregal


Die umfangreiche Bestückung des Regals war von einer Firma für Imkereibedarf ausgeliehen. Ich hatte zunächst mit der Hauptstelle in der Rheinpfalz verhandelt, dann bekam ich bei einem kleinen Laden nördlich von München die Erlaubnis, mir für einen Monat soviel zu borgen, wie ich brauchte. Der Einfachheit halber nahm ich von jedem Gegenstand ein Stück. Kein Imker hat übrigens Verwendung für all diese Geräte. Die meisten werden nur das grundlegende Rüstzeug besitzen. Als ich anfing, Bienen zu halten, hatte ich einen Stockmeißel, einen Wabenheber und einen Schmoker, ein Rauchgerät also. Erst nach und nach kaufte ich mir Kübel, Schleuder und Rähmchen zusammen, und selbst dann besaß ich kaum ein Zehntel dessen, was im Regal lag.





Aus den Geräten lässt sich konstruieren, worin das Tätigkeitsfeld des Imkers besteht. Während der Ausstellung konnte ich beobachten, wie Besucher neugierig das Regal umstanden und darüber debattierten, wofür die einzelnen Elemente gebraucht werden mochten. Eine überwiegende Reihe von Gegenständen sperrt sich der einfachen Entschlüsselung. So ist allgemein zwar klar, dass es sich um Imkerbedarf handeln muss, das zeigt auch der Titel an, im Einzelnen bleiben die Utensilien in ihrer Verwendung aber rätselhaft.
Die Herkunft der Gerätschaften, die das Berufsbild Imker aufspannen, hat zweierlei Wurzeln. Zum einen finden sich Gegenstände, die für bestimmte Erfordernisse entworfen wurden. Sie sind aus einem Bastelgestus entstanden, sie folgen einfach der Spur des Notwendigen, und danach sind sie ohne erhebliche formale Glättung in Serie gefertigt worden. Sie strahlen, kann man sagen, einen gewissen vorindustriellen Charme aus. Die übrigen Geräte sind fremden, manchmal sehr weit entfernten Tätigkeitsbereichen entlehnt. Das maximale Beispiel ist der Baustellenquirl, mit dem anstatt Beton nun Honig gerührt wird. Ein anspruchsvolleres Element ist ein kleiner Transformator, der bei Modelleisenbahnen zum Einsatz kommt. Mit ihm löten wir, indem wir die Drähte erhitzen, wächserne Mittelwände in gedrahtete Holzrähmchen.





Wie es scheint, gehen Imker erfinderisch und unkonventionell mit Material um, und natürlich fragt man sich, woher das kommt. Denn Imker sind nicht unbedingt Revolutionäre. Wirklich, die meisten sind borniert, stur und beharren grundsätzlich auf ihrer Sicht. Vielleicht spielt die Herkunft der Bienenhaltung aus dem landwirtschaftlichen Nebenerwerb eine Rolle. Heute wird die Imkerei überwiegend als Hobby oder eben im Nebenerwerb betrieben, selten hauptberuflich. Normen und Regeln kommen aus der Sache, aus den Notwendigkeiten, die die Bienen setzen. Von außen, und schon gar vom Gesetzgeber lässt sich keiner gern dreinreden. Die Imkerei ist noch immer eine Nische. Jeder darf Bienen halten und eigenen Honig verkaufen. Es gibt keine Zertifikate und obwohl es möglich ist, üben nur die wenigsten die Imkerei im Lehrberuf aus. So bastelt jeder sozusagen mit eingezogenem Kopf vor sich hin.