Der Stadtimker


Im September oder Oktober des Jahres 1998 wurde ein Rundfunkbeitrag mit dem Titel „Der Stadtimker“ in Bayern2Radio ausgestrahlt. Der Urheber war Burhard Mücke und ich war etwa eine Woche zuvor befragt worden. Zum Glück hatte jemand alle ähs, die sich unwillkürlich in meine Rede geschlichen hatten, herausgeschnitten. Damals war das Thema noch weniger virulent und ich konnte entsprechend gemächlich aus dem Nähkästchen plaudern.





Eines Tages im Herbst besuchte ich Burkhard und seinen Freund, einen amerikanischen Biologen, auf deren luxuriös ausgebautem Dreiseithof in Niederbayern. Mir fielen sofort die zahlreichen Blumen auf, die in einem riesigen runden Beet in der Auffahrt noch blühten. Und ich fragte mich, wie die beiden das hinbekommen hatten. Wir schritten das Gelände, das zum Hof gehörte, gemächlich ab, stapften durch Matsch und liefen über gemulchte Brachflächen. Die beiden machten kaum Aufhebens davon, aber es war schnell zu sehen, dass der Grund in eine riesige Gärtnerei umgewandelt worden war. Burkhards Freund experimentierte mit Pflanzen und natürlichem Dünger. Später, nachdem wir Kaffee getrunken hatten, nahmen Burkhard und ich den später ausgestrahlten Text auf. Wir saßen dazu am Küchentisch, von dem aus man in einen Wintergarten sehen konnte.
Burkhard hatte mit einem Kamerateam auch Filmaufnahmen am Bienenstock gedreht, doch sie waren nicht zu einem Fernsehbeitrag zusammen geschnitten worden. Er hatte vor, sie später in der Sendung Querbeet zu zeigen, aber das fiel ins Wasser. Er führte mich in ein Arbeitszimmer und öffnete einen riesigen Schrank, der voller Aufnahmen steckte, zog diese und jene heraus, alle waren per Hand beschriftet, und schließlich händigte er mir aus, was sie von mir aufgenommen hatten. Doch ich war nicht interessiert. Es befremdete ihn. Das erkannte ich. Wäre die Sendung im Fernsehen gelaufen, hätte ich sie aufgenommen und später verarbeitet. Doch bis dahin waren es unzusammenhängende Auszüge, denen ich nichts abgewinnen konnte. Mir fehlte sozusagen eine ordnende Hand. Er ließ mich allein, damit ich mir das Material auf einem riesigen Bildschirm ansehen konnte. Indessen saß ich still auf einer dunklen Ledercouch und schaute aus dem Fenster und beobachte, wie der Abend sich herein senkte.

Wieder später unterhielten wir drei uns bis in die Nacht. Und am folgenden Morgen fuhr ich wieder ab.