Bienensummen



Es war das Jahr 2002 als ich eine Menge frischer Ideen für den künstlerischen Umgang mit Bienen entwickelte. Mit dazu gehörte der Klang des Bienensummens. Natürlich hatte ich vorher schon mit diesen aggressiven Geräuschen gearbeitet, sie waren sogar Teil einer Radiosendung gewesen, aber diesmal wollte ich sozusagen aufs Ganze gehen, keine halben Sachen und ich hängte ein hochwertiges Mikrofon in einen meiner Bienenstöcke. Zunächst baute ich einen kleinen Käfig, in dem das Mikrofon vor den Bienen geschützt im Kasten hing. Ohne den Käfig stoßen die Bienen nicht nur unablässig gegen das Mikrofon, was wie laute Trommelschläge klingt, sondern sie fangen unmittelbar an, das Mikrofon selber in ihre ureigene Wachsinstallation einzukleben. Anders gesagt, es ist danach mit einer feinen Wachs- und Propolisschicht konserviert wie eine ägyptische Mumie. Das dämpft natürlich den klaren Klang.



Ein junger Mann, der sich als Klangkünstler versteht, kam mit einem ziemlich kleinen Mikrofon, gerade so groß, dass es zwischen den Wabengassen baumeln konnte, und wir nahmen verschiedene Aufnahmen, und der Bursche komponierte später sogar einige Stücke mit dem gewonnenen Material. Für mich allerdings war der reine Klang ohne absichtliches Zutun wirklicher. Während der Aufnahmezeit standen wir herum und unterhielten uns, redeten irgendwelchen Quatsch undsoweiter, und hinzu kam, dass die Bienen in unmittelbarer Nähe eines Bahndammes stehen. Es ist eine häufig befahrene Strecke, alle Züge nach Italien donnern darüber, und wie sich herausstellte, waren genau diese unterschiedlichen Geräusche, unser langsam vor sich hin plätscherndes Geplapper, die Bienen, die gegen den Käfig stoßen, die Züge und alles andere auf unserer Aufnahme kenntlich. So ergab sich bereits eine natürliche Klanginstallation, die den Bienenstock als Klangkörper verwendete.