Blüten





Eine Vorform dieser Arbeit entstand im Jahr 2000. Damals ordnete ich jeweils vier Blätter , teils farbig, teils gemustert oder sogar mit gedruckter Schrift, zu mittelgroßen Rechtecken. Anfangs dachte ich, sie müssten von einer zusätzlichen Spange zusammen gehalten werden. Daher experimentierte ich und legte in eines oder zwei eine Blüte ein, und zwar so, dass sie die Mitte bildete, dort saß, wo die Blätter sich schnitten und in alle vier hinein ragte. Dann unterließ ich die Sache mit den Blüten. Sie war eine Verdoppelung. Denn ich fasste die Blätter an sich als vielfarbige Blüten auf. Sie mussten nicht weiter zusammen gehalten werden. Das besorgte der äußere Rand.
Anders war es diesmal mit den farbigen Blättern. Ihre Farbigkeit war nicht nur ausgeprägter und exzentrischer, ich ließ die einzelnen, teils quietschbunten, ziemlich großen Papierbögen nach außen ragen. Also setzte ich innen eine gestempelte Zeile, die sie nicht nur zusammen hielt, sondern die in eine andere Dimension wies. Die Zeile stammt aus Finnegans Wake und enthält jeweils einen Blumennamen, Veilchen, Lotus, Amaryllis und so weiter. Die Farbigkeit wurde von der Auswahl an bunten Blättern bestimmt, die in einer Schublade meines Planschrankes gesammelt waren. Dazu kam eine völlig subjektive Auswahl, die ich traf, und dazu wiederum eine völlig objektive, in einzelnen Buchstaben gestempelte Zeile aus einem fremden Buch. Die Subjektivität in der Zusammenstellung, das Begrenzte in der Auswahl und die Objektivität im Stempeln sind jeweils bis an den Endpunkt gedehnt. Mehr war mir nicht möglich. Zwischen diesen drei finalen Punkten spannt sich schließlich jedes Blatt auf.





Die Entstehung der Blätter zog sich über mehr als ein Jahr hin, ich begann damit irgendwann im Jahr 2016 und blieb bis weit ins Jahr 2017 dran kleben. Daher ist eine genaue Datumsangabe nicht sinnvoll. Die Sache schlummerte ein paar Monate, dann fiel mir die nächste Variante ein. Selbst als sich die folgende Arbeit ausrollte, sculpture sonore, auch sie hatte jahrelang vor sich hin gegoren, fuhr ich mit den Blättern fort. Ich wollte sie unbedingt hinter Glas und gerahmt präsentieren.

Mit den Blütenbildern verknüpfte ich mein anfängliches Interesse für Pflanzen, das schon vor dem für Bienen bestanden hatte, mit einer mehrdimensionalen Arbeit.
Einige, wenngleich wenige Textstellen in Finnegans Wake sprechen Blumennamen aus, die uns gebräuchlich sind. Ich stellte fest, dass Joyce häufig üppige Blüten aus angelegten Gärten transportiert, als sei er in der sogenannten freien Natur selten unterwegs gewesen, anders als ich, der selbst kleinsten Blüten hinterher gekrochen ist. Bei Joyce findet sich die Blüte wohl in Verbindung mit Weiblichkeit. Kann ich das belegen? Nein. Aber mir kommt es so vor, und das ist schon eine ganze Menge, wenn man bedenkt, wie tief ich mich in den Text verstrickt habe und wie oft ich mich daraus bediene.





Von Anfang an fasste ich die Bienen nicht nur als Sammlerinnen, sondern als geflügelte Kundschafter und als Botschafter zwischen den einzelnen Blüten auf. Daher wollte ich am Ende bei der Mehrdimensionalität, die sich den menschlichen Sinnen bietet, herauskommen. Mein Weg führte von den Blüten zu den Bienen und jetzt zurück. Dem Wissenschaftler gilt als entscheidend und maßgeblich, welche Farben die Bienen sehen, wenn sie zu den Blüten fliegen, welche Gerüche sie in feinster Weise unterscheiden können und so weiter. Vielleicht zurecht wird deren Wahrnehmung über die des Menschen gestellt. Denn sie stehen in enger, notwendiger Verbindung zu den Blüten, während die unsere bestenfalls als lose bezeichnet werden kann.